Binationale Ehen in Deutschland

Jede neun­te Hoch­zeit in Deutsch­land ist mitt­ler­wei­le bi­na­tio­nal. Der gro­ße fran­zö­si­sche An­thro­po­lo­ge Clau­de Lévi-Strauss hat den »éch­an­ge des femmes«, also den Frau­en­tausch zwi­schen Stäm­men zu Hei­rats­zwe­cken, als we­sent­li­che Trieb­fe­der für so­zia­le Bin­dun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Grup­pen be­schrie­ben. Für die Ebe­ne von Na­tio­nen könn­te man fol­gern: Je mehr kreuz und quer über Lan­des­gren­zen hin­weg ge­hei­ra­tet wird, des­to bes­ser die Völ­ker­ver­stän­di­gung – egal, ob nun Frau­en oder Män­ner »ge­tauscht« wer­den. Die Sta­tis­tik der Ehe­schlie­ßun­gen in Deutsch­land wür­de Lévi-Strauss ver­mut­lich ge­fal­len: 45 915 bi­na­tio­na­le Ehen, bei de­nen ei­ner der Part­ner ei­nen deut­schen, der an­de­re ei­nen aus­län­di­schen Pass be­sitzt, wur­den 2015 in Deutsch­land ge­schlos­sen, das sind 11,5 Pro­zent al­ler neu­en Ehen oder je­des neun­te Hoch­zeits­paar. Knapp zwei Ge­ne­ra­tio­nen da­vor, 1960, war in der al­ten Bun­des­re­pu­blik erst je­des 27. fri­sche Ehe­paar bi­na­tio­nal (3,7 Pro­zent). Man hat heu­te nicht mehr vor Au­gen, wie iso­liert auch die eu­ro­päi­schen Staa­ten noch bis vor kur­zer Zeit ne­ben­ein­an­der­her ge­lebt ha­ben. Ein deut­li­cher An­stieg des zwi­schen­staat­li­chen Part­ner­tauschs folg­te auf das Schen­ge­nab­kom­men in den Neun­zi­gern, die in­ner­eu­ro­päi­sche Mo­bi­li­tät er­höh­te sich, Eras­mus-Stu­den­ten lern­ten sich ken­nen. Am häu­figs­ten sind heu­te deutsch-tür­ki­sche Ver­bin­dun­gen, ge­folgt von deutsch-ita­lie­ni­schen und deutsch-pol­ni­schen.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 13/2017.