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Glück ist Hokuspokus

Recherche, Erzählung, Denkmal für die eigene Mutter: Natascha Wodins todtrauriges Buch Sie kam aus Mariupol
Von Claudia Voigt

Wod­ins Mut­ter Je­w­ge­nia Ja­kow­lew­na, Groß­mut­ter Spu­ren bis in die Za­ren­zeit

DIE SCHRIFT­STEL­LE­RIN Na­ta­scha Wo­din war zehn Jah­re alt, als ihre Mut­ter, eine aus der Ukrai­ne nach Deutsch­land ver­schlepp­te Zwangs­ar­bei­te­rin, ohne ein Wort des Ab­schieds am Ufer der Reg­nitz ih­ren Win­ter­man­tel zu­sam­men­fal­te­te und ins Was­ser ging. Nie­mand trau­te sich, der Toch­ter die Nach­richt zu über­brin­gen. Weil sie aber ahn­te, was ge­sche­hen war, lief sie zu Fuß ans an­de­re Ende der frän­ki­schen Pro­vinz­stadt, in der die Fa­mi­lie mit an­de­ren „Dis­pla­ced Per­sons“ in ei­ner Sied­lung un­ter­ge­bracht war, und ent­deck­te im Lei­chen­haus des Fried­hofs ihre tote Mut­ter. In den Mo­na­ten zu­vor hat­te die Mut­ter kaum noch ge­spro­chen, sie hat­te auch nicht mehr je­nes ma­ka­bre Spiel mit ih­ren Töch­tern ge­spielt, bei dem sie sich tot stell­te und die Kin­der ver­such­ten, ihr durch Knei­fen oder Kit­zeln eine Re­gung ab­zu­press­sen. Na­ta­scha Wo­din weiß, als sie ihre Mut­ter mit of­fe­nem, schwar­zen Haar lie­gen sieht, dass ihr nichts mehr hel­fen wird.

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