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Wuchernder Wahnsinn

● Nor­ma, 30, ist an­ders als an­de­re Frau­en: Ihre Haa­re wach­sen ra­send schnell (zu­wei­len ei­nen Me­ter in der Stun­de), und sie er­fasst see­li­sche und kör­per­li­che Zu­stän­de ih­rer Mit­men­schen wie ein Seis­mo­graf. Angst, Krank­heit, Dro­gen­kon­sum – nichts bleibt ihr ver­bor­gen. Nor­mas Mut­ter Ani­ta ver­heim­licht die Be­son­der­hei­ten ih­rer Toch­ter; sie will um je­den Preis ver­hin­dern, dass sie kom­mer­zi­el­le In­ter­es­sen we­cken. Mut­ter und Toch­ter füh­ren eine sym­bio­ti­sche Be­zie­hung – bis Ani­ta sich vor eine U-Bahn stürzt und stirbt. Nor­ma ver­sucht her­aus­zu­fin­den, wie es dazu kom­men konn­te, und ge­rät in ei­nen Stru­del aus Lü­gen, Be­trug und Wahn­sinn. Die fin­nisch-est­ni­sche Au­to­rin Sofi Oksa­nen lässt ihre Hel­din auf die Spur heik­ler Fa­mi­li­en­ge­heim­nis­se sto­ßen und auf eine kri­mi­nel­le Ban­de, mit der die Mut­ter zu tun hat­te. Es geht um den welt­wei­ten Han­del mit Echt­haar, die Ver­mitt­lung von Leih­müt­tern und sehr viel Geld. Die Men­schen sind be­reit, ei­nen ho­hen Preis zu zah­len, um ihre Sehn­sucht nach Schön­heit oder Frucht­bar­keit zu stil­len. Die Sa­che mit Nor­ma ist ein span­nen­der Ro­man vol­ler Ma­gie und Dra­ma­tik. Und er ver­han­delt ein rea­les, erns­tes The­ma: die wirt­schaft­li­che und emo­tio­na­le Aus­beu­tung von Frau­en. Die Fra­ge, was noch nor­mal oder schon ver­rückt ist, zieht sich durch das Buch. Sei­ne son­der­ba­re Hel­din bie­tet kei­ne ein­deu­ti­ge Ant­wort. Wenn man sich aber ein­lässt auf Nor­ma, er­fährt man ei­ni­ges über die Kunst, sich selbst treu zu blei­ben. Und über Haar­pfle­ge so­wie­so.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2017.