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Supergrimmig

● Ah, wie wit­zig. Ein Schel­men­ro­man. Und das in un­se­rer Zeit. Wer ist denn heu­te noch ein Schelm? Wer ist denn heu­te noch be­reit für den leich­ten Witz, das Her­um­spa­zie­ren in der Welt ohne Zweck und Not? Aha, aha, nie­mand mehr. Also muss die Li­te­ra­tur das über­neh­men. Da­für ist sie doch mal er­fun­den wor­den. Und so hat die Of­fen­ba­cher Er­zäh­le­rin Anne We­ber, die seit Jah­ren in Pa­ris lebt und ihre Bü­cher auf Deutsch und auf Fran­zö­sisch schreibt, das über­nom­men. Ki­rio, ein luf­ti­ger Typ. Der auf den Hän­den geht und gern die schein­bar fest ste­hen­den Din­ge die­ser Welt wie­der flüs­sig macht. Oder luf­tig. Er wirft die Tat­sa­chen in die Luft und ver­wan­delt sie in Sei­fen­bla­sen. Die Au­to­rin, die sich die­sen Ki­rio aus­ge­dacht hat, ist sich ih­rer Sa­che nie si­cher, die Er­zäh­ler­fi­gur auch nicht. Gibt es ihn über­haupt, die­sen Ki­rio? Gibt es den Er­zäh­ler? Wer kann das sein? Ist nicht die gan­ze Welt ein Scherz­ar­ti­kel? Ein Hirn­ge­spinst? Eine Fan­ta­sie? Wie leicht macht uns die­se Er­kennt­nis! Wie gau­kel­s­anft. Wie hei­ter. We­ber hat ei­nen Hölz­chen-auf-Stöck­chen-Ro­man ge­schrie­ben, in dem sie sich so rich­tig lo­cker macht. Ne­ben deut­schen und fran­zö­si­schen Wör­tern flicht sie zum Zei­chen der Ju­gend­lich­keit auch stän­dig eng­li­sche Läs­sig­keits­vo­ka­beln ein, „Die Grimms ste­hen in den star­ting blocks und war­ten auf ein Si­gnal“, schreibt sie. Doch die Grimms sind wohl zu grim­mig, um sich in die­ses akro­ba­ti­sche Schen­kel­klopf­buch hin­ein­zie­hen zu las­sen. Wer als Le­ser gern sei­ne Zeit mit Luft­buch­sta­ben ver­schwen­det, hat mit die­sem, für den Leip­zi­ger Buch­preis no­mi­nier­ten Ro­man das per­fek­te Buch ge­fun­den.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2017.