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In ihm das Nichts

● Co­m­ing-of-Age-Ro­ma­ne gibt es vie­le, aber nur we­ni­ge schil­dern die Welt so über­zeu­gend aus Sicht ei­nes jun­gen Men­schen, dass es sich auch für Er­wach­se­ne lohnt, sie zu le­sen. Das Licht und die Ge­räu­sche ist so ein Buch. Jo­han­na, noch nicht voll­jäh­rig, hat ei­nen bes­ten Freund, Bo­ris, und gin­ge es nach ihr, könn­ten sie auch ein Paar sein – lei­der hat er aber eine Freun­din. Bo­ris ist ein un­ab­hän­gi­ger Den­ker, den­noch kein Au­ßen­sei­ter. Das be­wun­dert Jo­han­na, die ihre Sät­ze häu­fig mit „Ich weiß nicht so ge­nau“ oder „Ich bin mir nicht si­cher“ an­fängt. Der Au­tor Jan Schom­burg fin­det für sei­ne Prot­ago­nis­ten von An­fang an den rich­ti­gen Ton. Schom­burg, 41, ist bis­her als Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor in Er­schei­nung ge­tre­ten (un­ter an­de­rem „Über uns das All"). Das merkt man sei­nem Ro­man­de­büt an; die auf den ers­ten Blick so um­stands­los an­ein­an­der­ge­schnit­te­nen Sze­nen fol­gen ei­ner prä­zi­sen Dra­ma­tur­gie. Die Ge­schich­te ent­wi­ckelt bald ei­nen Sog, dem man sich schwer ent­zie­hen kann: Am Mor­gen nach ei­ner sehr be­son­de­ren Nacht ist Bo­ris ver­schwun­den. Sein Be­mü­hen, er selbst zu sein, scheint ihn mehr Kraft ge­kos­tet zu ha­ben, als alle um ihn her­um ahn­ten. Jo­han­na hat Angst, dass ihm „das Licht und die Ge­räu­sche“ nicht ge­nügt ha­ben – das war ihre Ant­wort auf sei­ne Fra­ge, was ei­nen ei­gent­lich am Selbst­mord hin­dern soll.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2017.