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GE­STOR­BEN

HORST EHMKE, 90

Der Ju­rist war ei­ner der her­aus­ra­gen­den So­zi­al­de­mo­kra­ten an der Sei­te Wil­ly Brandts. 1927 in eine Dan­zi­ger Arzt­fa­mi­lie ge­bo­ren, ge­riet er im Zwei­ten Welt­krieg als Ge­frei­ter der Wehr­macht kurz in rus­si­sche Ge­fan­gen­schaft. Da­nach trat er in die SPD ein und stu­dier­te in Deutsch­land und den USA, mit 33 Jah­ren ha­bi­li­tier­te er sich. Bei der SPIEGEL-Af­fä­re 1962 ver­trat er das Nach­rich­ten-Ma­ga­zin als An­walt vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. Nach dem Wahl­sieg der SPD im Herbst 1969 mach­te ihn Wil­ly Brandt zum Lei­ter des Bun­des­kanz­ler­am­tes. „Horst, un­ser Spe­zia­list für al­les“, pfleg­te Brandt ihn zu lo­ben. Er war ar­beits­wü­tig, ge­dan­ken­schnell, schlag­fer­tig, wit­zig und scharf­zün­gig. Vie­len Ge­nos­sen war er zu forsch und selbst­be­wusst, sie kol­por­tier­ten die An­ek­do­te, sein Fah­rer habe ihn ge­fragt, wo­hin es denn gehe, und er habe ge­ant­wor­tet: „Egal, wo­hin, ich wer­de über­all ge­braucht.“ Brandts Nach­fol­ger Hel­mut Schmidt sah ihn als Ri­va­len und sorg­te da­für, dass er 1972 an der Spit­ze des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für For­schung, Tech­no­lo­gie und Post ru­hig­ge­stellt wur­de. Nach dem Rück­tritt Brandts als Par­tei­vor­sit­zen­der ge­riet Ehm­ke zu ei­ner Rand­fi­gur in der SPD. 1994 schied er aus dem Bun­des­tag aus und un­ter­stütz­te Os­kar La­fon­tai­ne. Als be­kannt wur­de, dass die NS­DAP ihn als Mit­glied ge­führt hat­te, er­klär­te er, dass er von ei­ner Auf­nah­me in die Na­zi­par­tei nichts ge­wusst habe. Als Pen­sio­när schrieb er un­ter­halt­sa­me Po­lit-Kri­mis. Horst Ehm­ke starb am 12. März in Bonn.

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JONI SLEDGE, 60

Acht Jah­re dau­er­te es, bis es die Soul- und R&B-Band, die sie mit ih­ren drei Schwes­tern 1971 ge­grün­det hat­te, in die Er­folgs­spur schaff­te – so lan­ge jobb­ten Joni, Debbie, Kim und Ka­thy als Back­ground­sän­ge­rin­nen oder ga­ben in At­lan­tic City die Vor­band für be­kann­te­re Acts wie Bill Wi­t­hers oder die Poin­ter Sis­ters. Erst als Sis­ter Sledge 1978 mit Ber­nard Ed­wards und Nile Rod­gers von der Grup­pe Chic das Al­bum „We Are Fa­mi­ly“ auf­nah­men, ge­lang der Durch­bruch: Die gleich­na­mi­ge Sin­gle mach­te die Sledge-Schwes­tern welt­be­kannt. Sie lan­de­te in den US-Charts auf Platz zwei, das Al­bum ver­kauf­te sich al­lein in den USA über eine Mil­li­on Mal. Ein wei­te­res per­fek­tes Dis­co-Stück des Al­bums war „Lost in Mu­sic“, ge­sun­gen von Joni, mit pum­pen­dem Bass und ty­pi­scher Nile-Rod­gers-Gi­tar­re. Bis 2003 nah­men sie wei­te­re Al­ben auf, doch „We Are Fa­mi­ly“ blieb ihr größ­ter Er­folg. 2015 san­gen sie vor dem Papst, ohne Ka­thy, die 1989 eine So­lo­kar­rie­re be­gon­nen hat­te. Joni Sledge starb am 10. März in Pho­enix, Ari­zo­na.

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HEINZ KRIWET, 85

Es war sei­ne Idee ei­ner Dop­pel­spit­ze, die der ge­plan­ten Fu­si­on der bei­den Stahl­kon­zer­ne Krupp aus Es­sen und Thys­sen aus Düs­sel­dorf 1999 zum Durch­bruch ver­half. Mo­na­te­lang hat­ten sich die bei­den Kon­tra­hen­ten, Thys­sen-Chef Die­ter Vo­gel und Krupp-Chef Ger­hard Crom­me, un­ver­söhn­lich um die Füh­rungs­po­si­ti­on beim neu­en Stahl­rie­sen ge­strit­ten. Als Auf­sichts­rats­chef der Thys­sen AG ver­such­te Kri­wet zu ver­mit­teln und un­ter­brei­te­te dem Krupp-Pa­tri­ar­chen Bert­hold Beitz den Plan ei­ner Dop­pel­spit­ze. Beitz stimm­te zu. Kri­wet, der in den Sech­zi­ger­jah­ren selbst bei Krupp ge­ar­bei­tet und den Stahl­ko­cher Thys­sen von 1991 bis 1996 als Chef ge­lei­tet hat­te, über­nahm den Auf­sichts­rats­vor­sitz des Kon­zerns. Ein ty­pi­scher Stahl­ba­ron war er nicht. In der Bran­che war der Volks­wirt für sei­ne Um­sicht und Fair­ness be­kannt. Heinz Kri­wet starb am 9. März in Düs­sel­dorf.

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PETER STRELZYK, 74

In der Nacht zum 16. Sep­tem­ber 1979 flog der Thü­rin­ger in ei­nem selbst ge­bau­ten Heiß­luft­bal­lon über den To­des­strei­fen nach Bay­ern. Mit an Bord des Bal­lons, der in Ober­fran­ken lan­de­te, wa­ren sei­ne Frau, die bei­den Söh­ne so­wie eine be­freun­de­te Fa­mi­lie. Die ge­glück­te Flucht lie­fer­te den Stoff für den Film „Mit dem Wind nach Wes­ten“, der 1982 welt­weit in die Ki­nos kam. Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung kehr­ten Strel­zyk und sei­ne Frau in ihr Haus in Pößneck zu­rück. In dem Buch „Schick­sal Bal­lon­flucht“ (1999) er­zäh­len die bei­den ihre Le­bens­ge­schich­te, zu der auch ge­hört, dass die Sta­si sie an ih­rem neu­en Wohn­ort im Wes­ten ob­ser­vie­ren ließ. Pe­ter Strel­zyk starb am 11. März in Jena.

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ROBERT JAMES WALLER, 77

In nur elf Ta­gen schrieb der Hob­by­au­tor sei­nen Ro­man „Die Brü­cken am Fluss“ – jene ro­man­ti­sche, von Kri­ti­kern auch als kit­schig und ober­fläch­lich ge­ta­del­te Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen ei­nem Na­tio­nal-Geo­gra­phic-Fo­to­gra­fen und ei­ner Far­mers­frau, die Wal­ler 1992 an die Spit­ze der Best­sel­ler­lis­te ka­ta­pul­tier­te. Das Buch, das der Do­zent für Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten an der Uni­ver­si­ty of Iowa in ei­ner Aus­zeit schrieb, ver­kauf­te sich welt­weit mehr als zwölf Mil­lio­nen Mal. Ma­di­son Coun­ty, die Ge­gend in Iowa, in der der Ro­man spielt, wur­de durch das Buch und die Ver­fil­mung mit Clint East­wood und Me­ryl Streep zum be­lieb­ten Ziel für Fans. Auch Wal­lers Ro­man „Pu­er­to Vall­ar­ta Squee­ze“ (1995) wur­de ver­filmt. Ro­bert Ja­mes Wal­ler starb am 10. März in Fre­de­ricks­burg, Te­xas.

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JOHN SURTEES, 83

Als der Eng­län­der 1964 in der For­mel 1 tri­um­phier­te, ge­lang ihm, was bis heu­te nie­mand sonst ge­schafft hat: in den be­deu­tends­ten Ka­te­go­ri­en auf zwei und vier Rä­dern Welt­meis­ter­schaf­ten zu ge­win­nen. Nach sie­ben Ti­teln, die er bis 1960 mit dem Renn­mo­tor­rad ge­holt hat­te, war Sur­tees in die For­mel 1 um­ge­stie­gen. Bei Fer­ra­ri er­leb­te er sei­ne Blü­te­zeit. Zum Ende der Kar­rie­re grün­de­te der ge­lern­te Kfz-Me­cha­ni­ker sei­nen ei­ge­nen Renn­stall, mit dem er al­ler­dings nicht an die Er­fol­ge als Fah­rer an­knüpf­te. Sur­tees über­leb­te schwe­re Un­fäl­le, doch 2009 ver­un­glück­te sein 18-jäh­ri­ger Sohn Hen­ry bei ei­nem Au­to­ren­nen töd­lich. John Sur­tees starb am 10. März in Lon­don.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 12/2017.