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Frü­her war al­les schlech­ter

Morde an Kindern

Un­ge­heu­er un­wahr­schein­lich. Nach­rich­ten wie jene vom Mord an ei­nem neun­jäh­ri­gen Jun­gen in Her­ne vo­ri­ge Wo­che müs­sen je­den emp­fin­dungs­fä­hi­gen Men­schen er­schüt­tern. Nicht we­ni­ge El­tern ha­ben sich die­ser Tage ver­mut­lich ge­gen ei­nen schreck­li­chen Ge­dan­ken weh­ren müs­sen: Es hät­te auch mei­nen Sohn, mei­ne Toch­ter tref­fen kön­nen. Je­des er­mor­de­te Kind ist eine Ka­ta­stro­phe, ist eine zer­stör­te Welt. Es mag herz­los er­schei­nen, dem tra­gi­schen Ein­zel­fall eine kal­te Sta­tis­tik ge­gen­über­zu­stel­len, doch ge­nau das bleibt un­er­läss­lich, um eine Fehl­ein­schät­zung der Wirk­lich­keit zu ver­mei­den. Kinds­mord ist ein ex­trem sel­te­nes Er­eig­nis. Es gibt rund zehn Mil­lio­nen Kin­der un­ter 14 Jah­ren in Deutsch­land, 1995 gab es in die­ser Al­ters­grup­pe 48 Mor­de, 2015 wa­ren es 16. Die Wahr­schein­lich­keit, dass in Deutsch­land ein Kind er­mor­det wird, be­trägt pro Tag rund 1 zu 200 Mil­lio­nen. Der eng­li­sche Ri­si­ko­for­scher Da­vid Spie­gel­hal­ter drückt sol­che Zah­len­ver­hält­nis­se in Münz­wür­fen aus: 27-mal nach­ein­an­der muss eine Mün­ze auf der­sel­ben Sei­te lan­den, dann ist eine Wahr­schein­lich­keit von 1 zu 200 Mil­lio­nen er­reicht. Von ihm stammt auch der Hin­weis, dass der Mensch nie­mals si­che­rer lebt als mit etwa sie­ben Jah­ren. In kei­nem Al­ter ster­ben Men­schen sel­te­ner als mit sie­ben. Spie­gel­hal­ter geht noch wei­ter: „In der ge­sam­ten Ge­schich­te der Mensch­heit war nie­mals je­mand si­che­rer als ein sie­ben­jäh­ri­ges Kind in der heu­ti­gen west­li­chen Welt.“

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