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Groß­ar­tig! 500 Müs­li-Sor­ten! In ei­ner be­rühm­ten Film­sze­ne aus »The Hurt Lo­cker« ("Töd­li­ches Kom­man­do") steht der Prot­ago­nist rat­los vor ei­nem end­los lan­gen Su­per­markt­re­gal mit Hun­der­ten Müs­li-Sor­ten. Ge­dacht ist dies als Me­ta­pher für die De­ka­denz der Kon­sum­ge­sell­schaft, für die Ver­lo­ren­heit des In­di­vi­du­ums in der mul­ti­op­tio­na­len Mo­der­ne. Viel eher aber soll­te man ju­beln: groß­ar­tig! 500 Müs­li-Sor­ten! Es ist erst eine oder zwei Ge­ne­ra­tio­nen her, dass die Leu­te in Deutsch­land beim Ein­kau­fen fünf ver­schie­de­ne Lä­den ab­klap­pern muss­ten, Bä­cker, Flei­scher, Ge­trän­ke­händ­ler, von de­nen je­der sein ei­ge­nes un­be­frie­di­gen­des und kaum ren­ta­bles Klein­sor­ti­ment pfleg­te. Vie­le Pro­duk­te wa­ren nur sai­so­nal er­hält­lich, im Win­ter gab es kei­nen grü­nen Sa­lat, nie. Lan­ge her. In Deutsch­land hat sich die Zahl der durch­schnitt­lich in Su­per­märk­ten an­ge­bo­te­nen Ar­ti­kel in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren von 3200 (1965) auf 11 600 (2015) an­nä­hernd ver­vier­facht, die Ver­kaufs­flä­che mehr als ver­drei­facht. Nie zu­vor war das An­ge­bot so viel­fäl­tig, nie zu­vor wa­ren die Mög­lich­kei­ten, sich ge­sund und ab­wechs­lungs­reich zu er­näh­ren, so groß. Man kann heu­te wäh­len zwi­schen Mas­sen­hal­tungs- und Bio­brat­wurst, zwi­schen bil­li­gem, mitt­le­rem und teu­rem Feta, zwi­schen To­ma­ten aus dem In- oder Aus­land, mit und ohne Ris­pen. Ein er­heb­li­cher Teil der hin­zu­ge­kom­me­nen Ar­ti­kel ge­hört zum Fri­sche­sor­ti­ment, weil die Kun­den ihr Obst und Grün­zeug zu je­der Jah­res­zeit ha­ben möch­ten und es dank der Glo­ba­li­sie­rung auch krie­gen. Gut so. Wer in die Sech­zi­ger­jah­re zu­rück­möch­te, hebe die Hand.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 51/2016.