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Frü­her war al­les schlech­ter

Freiheit von Religion

Sind Un­gläu­bi­ge die bes­se­ren Men­schen? Es gibt eine Glau­bens­rich­tung in Deutsch­land, die seit 50 Jah­ren un­ge­brems­ten Zu­lauf hat, und das ist der Un­glau­ben. Die Kon­fes­si­ons­frei­en sind eine ge­sell­schaft­li­che Grup­pe, von der kaum je die Rede ist, viel­leicht weil vor lau­ter De­bat­te über den Is­lam (vier Pro­zent der Be­völ­ke­rung) kei­ne Zeit bleibt. Die Gott­lo­sen tau­chen erst­mals um 1970 in der deut­schen Sta­tis­tik auf. Schon vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung mit der athe­is­ti­schen DDR er­höht sich ihre Zahl mar­kant, und heu­te sind sie mit gut 38 Pro­zent die mit Ab­stand größ­te Grup­pe, weit vor den Ka­tho­li­ken oder den Pro­tes­tan­ten. Glo­bal be­trach­tet ver­ste­hen sich laut Schät­zun­gen rund 800 Mil­lio­nen Men­schen als un­gläu­big, je­der zehn­te auf Er­den. Und an­ders als mit vie­len re­li­giö­sen Ei­fe­rern ist mit die­sen Men­schen sehr wohl ein Staat zu ma­chen. Sie glau­ben statt an Au­ßer­welt­li­ches an den ir­di­schen Ge­mein­sinn, an To­le­ranz, an Men­schen­rech­te, wie Er­he­bun­gen des Re­li­gi­ons­so­zio­lo­gen Phil Zu­cker­man zei­gen. Der hat auch be­legt, dass Un­gläu­bi­ge im Schnitt bes­ser ge­bil­det, we­ni­ger xe­no­phob, we­ni­ger ho­mo­phob, gleich­be­rech­tig­ter und we­ni­ger ge­walt­tä­tig sind als ihre re­li­giö­sen Mit­men­schen. Die Gott­lo­sen ge­hö­ren längst zum Kern der Ge­sell­schaft. Und sor­gen dort mit ih­rer auf­ge­klär­ten Hal­tung auch da­für, dass jene, die an ei­nen Gott glau­ben wol­len, egal an wel­chen, das auch wei­ter­hin dür­fen. Etwa um 2025, so glau­ben Fach­leu­te, wird mehr als die Hälf­te der deut­schen Be­völ­ke­rung kei­ner der bei­den gro­ßen Kir­chen mehr an­ge­hö­ren.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 49/2016.