Hunger

Ei­ner von neun. Im Le­ben je­des sat­ten Kin­des hier­zu­lan­de kommt der Mo­ment, da es ver­ständ­nis­los auf ein Bild ei­nes hun­gern­den dun­kel­häu­ti­gen Gleich­alt­ri­gen in ei­ner Zeit­schrift blickt. Dann er­klä­ren ihm die El­tern die Un­ge­rech­tig­keit der Welt. Un­ser­eins kennt Hun­ger nur als Si­gnal des Kör­pers, dass es Zeit wird fürs Mit­tag­es­sen, an­ders­wo ster­ben die Men­schen dar­an. Ei­ner von neun Er­den­bür­gern – 795 Mil­lio­nen welt­weit – hat heu­te nicht ge­nug zu es­sen, die Zahl ist je­doch seit 1990 um 216 Mil­lio­nen ge­sun­ken. Die schreck­lichs­te, töd­lichs­te Form des Hun­gers ist die Hun­gers­not. Der letz­ten gro­ßen Ka­ta­stro­phe die­ser Art fie­len in So­ma­lia 2011 ge­schätz­te 250 000 Men­schen zum Op­fer, fast fünf Pro­zent der Be­völ­ke­rung. Doch im his­to­ri­schen Ver­gleich des 20. Jahr­hun­derts wir­ken selbst sol­che Zah­len klein. Seit 1920 star­ben mehr als 70 Mil­lio­nen Men­schen durch Hun­gers­nö­te, wo­bei fast die Hälf­te auf Chi­na und Maos »Gro­ßen Sprung« in den Ab­grund ent­fällt. Wäh­rend zwi­schen 1920 und 1970 glo­bal im Schnitt 529 von 100 000 Men­schen per De­ka­de in Hun­gers­nö­ten star­ben, be­trug die­se Rate in den Nul­ler­jah­ren noch 3 pro 100 000. In al­len Welt­re­gio­nen ha­ben sich die Er­näh­rungs­si­cher­heit und die An­zahl der Ka­lo­ri­en pro Kopf in den letz­ten 50 Jah­ren enorm ver­bes­sert. Ob­wohl es viel mehr Men­schen gibt, gibt es gleich­zei­tig auch mehr Nah­rung pro Kopf. Die Uno nennt Hun­ger das »größ­te lös­ba­re Pro­blem der Welt«. (Was das größ­te un­lös­ba­re Pro­blem ist, sagt sie nicht. Das Kli­ma? Trump? An­de­re Vor­schlä­ge?)

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