Badeunfälle

Schwimm­kom­pe­tenz: aus­ge­zeich­net. Schlie­ßen­de Schwimm­bä­der, feh­len­der Schwimm­un­ter­richt, „Deutsch­land plant den Un­ter­gang“, ti­tel­te die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“ ei­nen Be­richt zur an­geb­li­chen deut­schen Schwimm­mi­se­re. Die „Welt“ wie­der­um rech­ne­te kürz­lich vor, dass ge­gen­über dem Vor­jahr „die Zahl der Ba­de­to­ten 2015 um 25 Pro­zent ge­stie­gen“ sei. Ein An­stieg um ein Vier­tel, das klingt ge­wal­tig. Die Rech­nung ist kor­rekt, aber we­nig sinn­voll. Zum ei­nen müs­sen sol­che Ent­wick­lun­gen über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum be­trach­tet wer­den. In den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren be­wegt sich die Zahl der deut­schen Ba­de­to­ten un­ge­fähr zwi­schen 400 und 600 pro Jahr, Ten­denz im Mit­tel sin­kend. Zum an­dern kor­re­lie­ren Aus­rei­ßer nach oben stets mit Hit­ze­som­mern, wenn vie­le Men­schen oft im Was­ser sind, wie eben 2015, aber auch 2006 oder 2003. Bis in die Sieb­zi­ger­jah­re wa­ren jähr­li­che Op­fer­zah­len von mehr als 1000 Men­schen üb­lich, An­fang der Fünf­zi­ger lie­ßen über 2000 Deut­sche in Ba­de­ge­wäs­sern ihr Le­ben, und 1926 wa­ren es 3552, fast 10 pro Tag. Heu­te ge­hört Deutsch­land laut der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ge­mein­sam mit den Nie­der­lan­den und Groß­bri­tan­ni­en be­züg­lich Er­trin­kungs­ge­fahr zu den drei si­chers­ten Län­dern Eu­ro­pas. Schul­pflich­ti­ge Kin­der im Al­ter von 6 bis 15 Jah­ren üb­ri­gens, de­ren Schwimm­kom­pe­tenz nun häu­fig be­zwei­felt wird, er­trin­ken äu­ßerst sel­ten, sie ma­chen nur rund drei Pro­zent al­ler Op­fer aus. Etwa die Hälf­te al­ler deut­schen Ba­de­to­ten ist da­ge­gen über 50 Jah­re alt, und in drei von vier Fäl­len sind sie männ­lich.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 44/2016.