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Frü­her war al­les schlech­ter

Gewässer­qua­lität

Sau­be­re Sa­che. Als die Elbe 1990 in die ers­te ge­samt­deut­sche Ge­wäs­ser­gü­te­kar­te auf­ge­nom­men wur­de, muss­ten die Ex­per­ten ihre Ska­la nach un­ten er­wei­tern und eine neue Tiefst­stu­fe er­fin­den: die Gü­te­klas­se IV, „öko­lo­gisch zer­stört“. Flüs­se wa­ren schon im­mer eine Art na­tür­li­che Müll- und Ex­kre­men­t­ab­fuhr für den Men­schen, aber üb­ler als um 1970 er­ging es den Ge­wäs­sern Deutsch­lands wohl nie. Zur Mit­te des 20. Jahr­hun­derts pas­sier­ten Haus­halts­ab­wäs­ser die tech­no­lo­gisch noch ziem­lich pri­mi­ti­ven Klär­an­la­gen mehr oder min­der un­ge­hin­dert. Ten­si­de in den Wasch­mit­teln führ­ten in den Fünf­zi­gern zu me­ter­ho­hen Schaum­ber­gen auf den Flüs­sen, und in den Sieb­zi­gern er­reich­te die Be­las­tung mit Schad­stof­fen aus In­dus­trie und Land­wirt­schaft ih­ren Hö­he­punkt: Schwer­me­tal­le, Ni­trat, Am­mo­ni­um, im­mer rein da­mit. Die Fol­ge war ein Mas­sa­ker an Klein­le­be­we­sen: Um 1900 leb­ten mehr als hun­dert aqua­ti­sche In­sek­ten­ar­ten im Rhein, 1971 noch fünf. Dank ver­bes­ser­ter Klär­me­tho­den ist seit­her viel pas­siert, wie un­se­re vier Kur­ven zei­gen. Der Sau­er­stoff­ge­halt der Elbe ging, wie sich Vol­ker Mo­haupt, Ge­wäs­ser­ex­per­te beim Um­welt­bun­des­amt, aus­drückt, „nach der Wen­de, rums!, nach oben“. Die Ent­wick­lung der Phos­phat­kon­zen­tra­ti­on im Bo­den­see seit 1951 sieht so aus: steil hoch bis Ende Sieb­zi­ger, dann steil wie­der run­ter. Am­mo­ni­um­stick­stoff in der Ruhr: seit 1974 ra­di­kal rück­läu­fig. Der An­teil der deut­schen Flüs­se und Seen, die den EG-Grenz­wert für Ba­de­ge­wäs­ser ein­hal­ten, ist denn auch von un­ter 30 Pro­zent im Jahr 1992 auf heu­te 98 Pro­zent ge­stie­gen. Auch in Ham­burg, vor 25 Jah­ren un­vor­stell­bar, kann man in der Elbe längst wie­der schwim­men.

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