Wetterpro­gnosen

„Leich­ter West­wind; gut.“ So knapp und klar war die Wet­ter­pro­gno­se der Lon­do­ner „Times“ für den 1. Au­gust 1861. Sie gilt als ers­te in ei­ner Zei­tung pu­bli­zier­te Wet­ter­vor­her­sa­ge der Ge­schich­te, er­stellt vom bri­ti­schen Ad­mi­ral Ro­bert Fitz­Roy, der zu­vor üb­ri­gens Kom­man­dant der „Bea­gle“ ge­we­sen war, mit der er ei­nen ge­wis­sen Charles Dar­win auf die Galápa­gos­in­seln ge­schip­pert hat­te: zu For­schungs­tä­tig­kei­ten. Mut­ma­ßun­gen über das Wet­ter stell­te der Mensch ver­mut­lich schon an, als er noch in Höh­len haus­te, und un­we­sent­lich jün­ger dürf­te auch die Ge­wohn­heit sein, sich über fal­sche Vor­her­sa­gen auf­zu­re­gen. Bis heu­te sind Me­teo­ro­lo­gen ein be­lieb­tes Ziel von Ver­wün­schun­gen durch den Bür­ger, wenn er etwa mit der Grill­zan­ge im Ge­wit­ter steht oder un­ter dem Re­gen­man­tel schwitzt. Ob der Hass auf die Wet­ter­diens­te im sel­ben Maße ab- wie die Qua­li­tät der Vor­her­sa­gen zu­ge­nom­men hat, ist nicht be­kannt. Mit ei­ner Tref­fer­quo­te von über 90 Pro­zent sagt der Deut­sche Wet­ter­dienst heu­te die Tem­pe­ra­tur des fol­gen­den Ta­ges vor­aus, vor 30 Jah­ren be­trug die­ser Wert erst gut 70 Pro­zent. Wind­ge­schwin­dig­keit: über 95 Pro­zent kor­rek­te An­ga­ben. Nie­der­schlags­men­ge: über 80 Pro­zent. Schuld am Fort­schritt der jün­ge­ren Zeit sind vor al­lem ver­bes­ser­te Sa­tel­li­ten­da­ten und die stei­gen­den rech­ne­ri­schen Leis­tun­gen von Su­per­com­pu­tern. Die Be­deu­tung gu­ter Wet­ter­pro­gno­sen ist schwer zu über­schät­zen, sie ret­ten Le­ben und ge­ne­rie­ren Um­satz, etwa in der Land­wirt­schaft, im En­er­gie­sek­tor oder im Tou­ris­mus. Wer der Wis­sen­schaft miss­traut, kann sich ja den­noch wei­ter auf Bau­ern­re­geln ver­las­sen wie die­se: Fliegt der Bau­er übers Dach, ist der Wind nicht all­zu schwach.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 38/2016.