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Hoher Puls

Der Wunsch, al­les von­ein­an­der wis­sen zu wol­len, be­glei­tet den Über­schwang gro­ßer Lie­be. Und was sich zwi­schen Lot­to und Mat­hil­de er­eig­net, das ist die gro­ße Lie­be. Am Ende sei­ner Col­le­ge­zeit steht Lot­to als Ham­let auf der Büh­ne, es ist die letz­te Auf­füh­rung sei­nes Thea­ter­kur­ses. Mit den meis­ten Frau­en im Pu­bli­kum hat er ge­schla­fen; er stellt sich eine Zu­kunft als Sex­pries­ter und Schau­spie­ler vor. Als er sich ver­beugt, schla­gen ihm Ju­bel, Be­wun­de­rung, Gier ent­ge­gen. Doch auf der Pre­mie­ren­fei­er sieht Lot­to, der ei­gent­lich Lan­ce­lot heißt, zum ers­ten Mal Mat­hil­de. „Er hob die Arme. (Der fol­gen­schwe­re Blick nach oben). In der Tür auf ein­mal sie.“ Zwei Wo­chen spä­ter hei­ra­ten sie. Bis dass der Tod sie schei­det. Tat­säch­lich. Ob­wohl Lot­to, der als Sohn ei­nes Mi­ne­ral­was­ser­fa­bri­kan­ten in Flo­ri­da ge­bo­ren wur­de, da­für mit sei­ner Mut­ter bre­chen muss. Sein Le­ben lang wird er Mat­hil­de treu sein, die er maß­los be­gehrt, wo­von in ziem­lich gu­ten Sex­sze­nen er­zählt wird. Nach dem Col­le­ge weicht zwar vor­über­ge­hend et­was die Strahl­kraft aus Lot­tos Le­ben, aber da ist eben Mat­hil­de. Sei­ne Ret­tung. So ver­läuft in gro­ben Zü­gen Lot­tos Ge­schich­te. Die ame­ri­ka­ni­sche Schrift­stel­le­rin Lau­ren Groff, 38, ist in Deutsch­land noch weit­ge­hend un­be­kannt, doch ihr Ro­man Licht und Zorn kommt der­ma­ßen so­g­haft und über­bor­dend da­her – pas­sa­gen­wei­se wirkt das Buch et­was über­schrie­ben –, dass man sich fragt, wie ein sol­ches Er­zähl­ta­lent bis­her un­auf­fäl­lig blei­ben konn­te. Die ei­gent­li­che Sen­sa­ti­on ist der zwei­te Teil des Ro­mans, in dem es um Mat­hil­des Ge­schich­te geht. Wäh­rend Lot­to stets von ei­nem Strah­len um­ge­ben ist, kämpft sie zor­nig ge­gen die Fins­ter­nis in sich. Und nie­mand ahnt et­was da­von. Auch Lot­to nicht. Dar­auf be­ruht ih­rer bei­der Glück, dass sie nicht al­les von­ein­an­der wis­sen. Ein Ehe­ro­man mit ho­hem Puls­schlag, den Ba­rack Oba­ma ver­gan­ge­nes Jahr als sein Lieb­lings­buch be­nann­te.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 35/2016.