Spielen ist gesund

An­dré Stern ging nie zur Schu­le, er wuchs in Pa­ris in ei­ner be­son­de­ren Fa­mi­lie auf: Sein Va­ter Arno, ein jü­di­scher Flücht­ling aus Kas­sel, be­grün­de­te in den Fünf­zi­ger­jah­ren den »Mal-Ort«, eine in­zwi­schen in­ter­na­tio­na­le In­sti­tu­ti­on, in der Men­schen je­den Al­ters zu­sam­men­kom­men, um zu ma­len – al­ler­dings ohne Be­ra­tung, Be­treu­ung, Be­ur­tei­lung. Der Selbst­aus­druck wird nicht ge­deu­tet, er trägt Sinn und Zweck in sich. Das Ler­nen ohne Zwang ist zum Le­bens­the­ma von Arno Sterns Sohn ge­wor­den, der nun, be­glei­tet von stüt­zen­den Kom­men­ta­ren des Hirn­for­schers Ge­rald Hüt­her und der Päd­ago­gin Kat­rin Saal­frank, eine Lan­ze bricht für das Spiel des Kin­des. Das ein an­de­res ist als das der Er­wach­se­nen, wenn die sich zu Ca­nasta, Boule oder Tri­vi­al Pur­su­it zu­sam­men­fin­den: Kin­der spie­len, so man sie denn frei spie­len lässt, nicht, um den All­tag zu ver­ges­sen und Ab­stand zu ge­win­nen, son­dern um sich mit der Welt zu ver­bin­den. Durch as­so­zia­ti­ve Ge­stal­tung, durch Nach­ah­mung, durch Ex­pe­ri­men­te im So­zia­len und mit Ma­te­rie er­fah­ren sie, dass die Welt ver­steh­bar ist und dass man sie ge­stal­ten kann – un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zun­gen für die psy­chi­sche Ge­sund­heit und ein als sinn­voll emp­fun­de­nes Le­ben. Mit schö­nem, hei­li­gem Ernst er­in­nert Stern an eine Vor­aus­set­zung mensch­li­cher Ent­wick­lung, die all­zu leicht ver­ges­sen wird, ob­wohl je­der sie er­fah­ren hat. Und an die wir uns hal­ten soll­ten in der Ge­stal­tung un­se­rer Städ­te und päd­ago­gi­scher In­sti­tu­tio­nen.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 31/2016.