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Frü­her war al­les schlech­ter

Terror in Westeuropa

Bom­ben im Kopf. Die blu­ti­ge Zeit des Ter­rors in West­eu­ro­pa wa­ren die Sieb­zi­ger- und Acht­zi­ger­jah­re des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts. In Ir­land wü­te­te die IRA, in Spa­ni­en die Eta, in Deutsch­land die RAF. In man­chen Jah­ren fan­den da­mals mehr als 400 Men­schen bei An­schlä­gen in West­eu­ro­pa den Tod. Seit­her war der Ter­ror in un­se­ren Brei­ten auf dem Rück­zug. Welt­weit be­trach­tet al­ler­dings steigt die Zahl der Op­fer in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit wie­der an. Die Glo­bal Ter­ro­rism Da­ta­ba­se der Uni­ver­si­tät Ma­ry­land ver­zeich­net zwi­schen 2001 und 2014 welt­weit 29 565 Ter­ror­ak­te mit min­des­tens ei­nem To­des­op­fer. Nur 0,3 Pro­zent da­von fan­den in Eu­ro­pa statt. War­um nimmt bei uns die Angst vor dem Ter­ror zu, wenn doch die Ge­fahr vor 30 Jah­ren so viel hö­her war? Eine be­lieb­te The­se ist, dass die eu­ro­päi­schen Ter­ro­ris­ten des 20. Jahr­hun­derts klar de­fi­nier­te, lo­kal be­grenz­te Zie­le ver­folgt ha­ben, wäh­rend die is­la­mis­ti­schen An­schlä­ge der Ge­gen­wart über­all je­den tref­fen kön­nen. Aber das war schon frü­her so. 1980 ka­men bei ei­nem An­schlag im Haupt­bahn­hof von Bo­lo­gna 85 Men­schen ums Le­ben, dar­un­ter et­li­che Kin­der; im sel­ben Jahr fie­len dem rechts­ex­trem mo­ti­vier­ten Ok­to­ber­fest­an­schlag in Mün­chen 13 Men­schen zum Op­fer. Nüch­tern be­trach­tet er­scheint Ter­ro­ris­mus als äu­ßerst er­folg­lo­se Form der Kon­flikt­füh­rung. Die Po­li­tik­wis­sen­schaft­le­rin Au­drey Cro­nin hat 457 ter­ro­ris­ti­sche Feld­zü­ge aus der Zeit von 1968 bis 2006 un­ter­sucht und kommt zu dem Schluss, dass 87 Pro­zent der Grup­pen kein ein­zi­ges ih­rer stra­te­gi­schen Zie­le er­reicht ha­ben. Prak­tisch alle Ter­ror­grup­pen schei­tern, und die meis­ten wer­den nicht alt; ihre mitt­le­re Le­bens­dau­er be­trägt fünf bis neun Jah­re.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 26/2016.