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Kultur

Ti­ger vor dem Ber­li­ner Ma­xim Gor­ki Thea­ter

Ak­ti­ons­kunst

Protest nach Gladiato­renart

Un­ter dem Ti­tel Flücht­lin­ge fres­sen – Not und Spie­le prä­sen­tie­ren die Kunst­ak­ti­vis­ten des Zen­trums für Po­li­ti­sche Schön­heit der­zeit vier leib­haf­ti­ge Ti­ger in ei­nem Kä­fig vor dem Ber­li­ner Ma­xim Gor­ki Thea­ter – und kün­di­gen an, dem­nächst frei­wil­li­ge Flücht­lin­ge zu den Tie­ren ins Ge­he­ge zu schi­cken. Drei der öf­fent­lich stets mit Spu­ren schwar­zer Schmie­re im Ge­sicht auf­tre­ten­den Künst­ler hiel­ten zum Auf­takt der Ak­ti­on bei ei­ner als „Bun­des­er­pres­sungs­kon­fe­renz“ de­kla­rier­ten Büh­nen­show im Thea­ter­saal ei­nen Vor­trag mit Film­be­glei­tung. Bis zum 28. Juni, so sag­te An­dré Lei­pold, ei­ner der drei Spre­cher, wol­le man mit Spen­den­gel­dern der „Flücht­lin­ge fres­sen“-Ak­ti­on den Trans­port von 100 aus Sy­ri­en stam­men­den, in der Tür­kei fest­sit­zen­den Flücht­lin­gen per Flug­zeug aus Iz­mir fi­nan­zie­ren – und die Bun­des­re­gie­rung dazu zwin­gen, die Ein­rei­se der Men­schen per Ge­set­zes­än­de­rung zu er­lau­ben. Blei­be die Zu­stim­mung der Mäch­ti­gen zu die­sem Flug aus, wer­de man in Ber­lin an­de­re, frei­wil­li­ge Flücht­lin­ge in den Tier­kä­fig schi­cken, die dort „ihr Le­ben für et­was Hö­he­res ein­set­zen“ sol­len, wie Lei­pold sag­te. Man rich­te sich mit die­ser be­wusst „ge­schmack­lo­sen und zy­ni­schen“ Po­lit­kunst­ak­ti­on ge­gen die „Bar­ba­rei des deut­schen Rechts“, das die Ein­rei­se von Men­schen ohne Vi­sum oder gül­ti­ge Rei­se­pa­pie­re ver­bie­te und die Flücht­lin­ge zur ge­fähr­li­chen Flucht übers Meer und zur Be­zah­lung von Schlep­pern zwin­ge. Das Zen­trum für Po­li­ti­sche Schön­heit ist be­kannt ge­wor­den durch dras­ti­sche Coups wie die Ent­füh­rung und Um­wid­mung von für die Mau­er­to­ten er­rich­te­ten Ge­denk­kreu­zen oder die sym­bo­li­sche Be­stat­tung des Sargs ei­ner an­geb­lich im Mit­tel­meer er­trun­ke­nen Flücht­lings­frau. Von den Hel­den ih­rer jüngs­ten Ak­ti­on, den Ti­gern Aran­ka, Nico, Otto und Franz-Jo­seph, be­haup­te­ten die Spre­cher (zu de­nen der sonst als Kopf des Zen­trums für Po­li­ti­sche Schön­heit gel­ten­de Phil­ipp Ruch dies­mal nicht ge­hör­te), sie stamm­ten aus Li­by­en und sei­en das „Ge­schenk des tür­ki­schen Dik­ta­tors“. In Wahr­heit sind die Tie­re, vor de­ren Kä­fig bis zum 28. Juni je­den Abend Open-Air-Shows statt­fin­den sol­len, wohl für ge­wöhn­lich im kom­mer­zi­el­len Tier­schau-Ein­satz. Auf der Rück­sei­te der Kä­fi­ge klebt je­den­falls, nur not­dürf­tig durch eine Holz­ver­klei­dung ver­bor­gen, eine Me­tall­pla­ket­te des Cir­cus Ma­nu­el Weis­heit.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 25/2016.