Per­so­na­lien

Wa­genk­necht um 1982

Stures Kind

Die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Par­tei Die Lin­ke, Sah­ra Wa­genk­necht, heu­te 46, will den So­zia­lis­mus für Deutsch­land, doch grup­pen­dy­na­mi­sche Pro­zes­se ver­ab­scheu­te sie schon als Kind. Das ge­stand die Po­li­ti­ke­rin in ei­nem In­ter­view mit der Psy­cho­lo­gin Ul­ri­ke Döpf­ner über die Fra­ge »Was für ein Kind wa­ren Sie?« für das Ma­ga­zin »L'Of­fi­ciel«. »Ich war nie ein Grup­pen­mensch«, sagt Wa­genk­necht und: »Aus den da­mals ob­li­ga­to­ri­schen Grup­pen­ak­ti­vi­tä­ten, etwa in der FDJ, habe ich mich, so weit es ging, her­aus­zu­hal­ten ver­sucht.« Sie be­schreibt sich selbst als »pfle­ge­leich­tes Kind«, das sich viel mit sich selbst be­schäf­tig­te, aber auch als »nicht ein­fach«, weil sie »ziem­lich ei­gen­sin­nig, bo­ckig und stur« sein konn­te. Ihr star­kes Be­dürf­nis nach In­di­vi­dua­li­tät brach sich schon im Vor­schul­al­ter Bahn: »Ich woll­te nicht in den Kin­der­gar­ten – das war ein Teil mei­ner Stur­heit. Ein­fach nur im Sand spie­len hat mich ge­lang­weilt.« Wäh­rend ihre Mut­ter in Ber­lin stu­dier­te, ver­brach­te sie bis zu ih­rer Ein­schu­lung eine »sehr glück­li­che Kind­heit« bei den Groß­el­tern auf dem Land.

Berühmter Tropfen

Der ehe­ma­li­ge So­zi­al­mi­nis­ter Nor­bert Blüm, 80, hat vor zwei Wo­chen sein Eh­ren­amt als Vor­sit­zen­der des Stif­tungs­rats der Kin­der­not­hil­fe nie­der­ge­legt. Jetzt wird klar, war­um: In ei­ner Dis­kus­si­on um die Aus­rich­tung des Ver­eins hat­te er ge­for­dert, dass die Kin­der­not­hil­fe min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge in Deutsch­land un­ter­stüt­ze. Die Sat­zung sieht ein di­rek­tes En­ga­ge­ment im In­land bis­lang je­doch nicht vor, vor al­lem Kin­dern in Ent­wick­lungs­län­dern soll ge­hol­fen wer­den. Blüm schrieb an die Vor­stands­mit­glie­der des Ver­eins, dass mit Kir­chen­tags­re­den noch nie­mand ge­ret­tet wor­den sei. Es gebe für die Kin­der­not­hil­fe in Deutsch­land na­he­lie­gen­de, aku­te Auf­ga­ben. »Die Ver­wei­ge­rung, über den Schat­ten der ei­ge­nen Ge­wohn­hei­ten zu sprin­gen, war für mich der be­rühm­te Trop­fen, der das Fass zum Über­lau­fen brach­te«, so Blüm. Die Kin­der­not­hil­fe er­klärt, dass an ei­nem Schutz­kon­zept für Flücht­lings­kin­der in Deutsch­land ge­ar­bei­tet wer­de.

Über den Wolken

Der Ham­bur­ger SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Niels An­nen, 43, und die grü­ne Par­la­ments­vi­ze­prä­si­den­tin Clau­dia Roth be­wie­sen auf ei­ner La­tein­ame­ri­ka­rei­se mit Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter Stein­mei­er ihr Ge­sangs­ta­lent. Auf dem Nacht­flug von Me­xi­ko zu­rück nach Ber­lin ser­vier­te die Crew des Re­gie­rungs-Air­bus zu­nächst Mar­ga­ri­tas, dann pack­te Pop­sän­ge­rin Alin Coen, 34, ihre Gi­tar­re aus. Die Künst­le­rin, die im Sep­tem­ber mit ih­rer Band auf Tour geht, war als Mit­glied von Stein­mei­ers Kul­tur­de­le­ga­ti­on in Me­xi­ko da­bei. SPD-Mann An­nen gab »Gei­ler is' schon« von Ma­ri­us Mül­ler-Wes­tern­ha­gen zum Bes­ten, Grü­nen-Frau Roth prä­sen­tier­te in­brüns­tig den fran­zö­si­schen Chan­son »Le dé­ser­teur«. Am Ende stimm­ten sie den Dy­lan-Klas­si­ker »Blo­win' in the Wind« an. Die meis­ten von Stein­mei­ers Mit­rei­sen­den san­gen mit, nur der Au­ßen­mi­nis­ter zog sich in sei­ne Ka­bi­ne im vor­de­ren Teil des Flug­zeugs zu­rück.

Ausputzer

Es war eine Art Heim­kehr: An­fang Juni trat der Os­car­preis­trä­ger Matt Da­mon, 45, am Mas­sa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy (MIT) auf, ei­ner der re­nom­mier­tes­ten tech­ni­schen Hoch­schu­len in den USA. Wie die Har­vard-Uni­ver­si­tät sitzt das MIT in Cam­bridge, Da­mons Hei­mat­stadt in der Nähe von Bos­ton. Da­mon hat einst in Har­vard Eng­lisch stu­diert, ne­ben­bei spiel­te er Thea­ter. Doch als Hol­ly­wood rief, brach er das Stu­di­um ab. Sein ers­ter gro­ßer Er­folg war die Ti­tel­rol­le in »Good Will Hun­ting« (1997), Da­mon ver­kör­per­te dar­in ein ver­kann­tes Ma­the­ge­nie, das als Putz­mann jobbt, aus­ge­rech­net am MIT. Viel­leicht auch des­halb be­fand die Hoch­schu­le den Hol­ly­wood­star jetzt für wür­dig, die aka­de­mi­sche Fest­re­de zu Eh­ren der dies­jäh­ri­gen Ab­sol­ven­ten zu hal­ten – eine Auf­ga­be, die in der Ver­gan­gen­heit Per­sön­lich­kei­ten wie Hel­mut Schmidt oder Bill Clin­ton vor­be­hal­ten war. »Und wen be­kom­men Sie? Den Ty­pen, der in ei­nem Zei­chen­trick­film ein Pferd ge­spro­chen hat«, jux­te Da­mon in sei­ner An­spra­che. Der Schau­spie­ler for­der­te die Ab­sol­ven­ten auf, »al­les ste­hen und lie­gen zu las­sen«, um die Pro­ble­me der Welt zu lö­sen. Er selbst aber habe kei­ne Am­bi­tio­nen, in die Po­li­tik zu ge­hen, sag­te Da­mon.

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