»Großer Gangster«

Zeitgeschichte In der jungen Bundesrepublik herrschten türkische Verhältnisse: Kanzler Adenauer und seine Minister stellten Hunderte Strafanträge wegen »politischer Beleidigung«.

Kanz­ler Ade­nau­er (vorn, 2. v. l.), Mi­nis­ter in Bonn 1957: »Ver­gif­tung des öf­fent­li­chen Le­bens«

Der 7. Juni 1951 war ein schwe­rer Tag für Wil­ly Id­ler. Der ar­beits­lo­se Kauf­mann hat­te ge­ra­de ei­nen Ner­ven­zu­sam­men­bruch über­stan­den. Sei­ne Frau muss­te ihn stüt­zen, als er den Saal des Schüt­zen­hofs in Wil­helms­ha­ven be­trat. Dort soll­te er sei­nen Re­chen­schafts­be­richt für die »Ver­ei­ni­gung der Er­werbs­lo­sen Wil­helms­ha­vens« ge­ben, de­ren Vor­sitz er kurz zu­vor ab­ge­ge­ben hat­te. Der Ver­samm­lungs­lei­ter mahn­te den sicht­lich er­reg­ten Id­ler, sach­lich zu blei­ben, doch der 42-Jäh­ri­ge konn­te sei­ne Wut nicht un­ter­drü­cken. Die Bun­des­re­gie­rung be­ste­he aus »Feig­lin­gen und Lum­pen«, schimpf­te er, sie habe kein Herz für Ar­beits­lo­se und traue sich nicht, sich mit der DDR-Füh­rung »an ei­nen Tisch zu set­zen«.

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