Flugsicherheit

2015 war das bis­lang si­chers­te Jahr der Flie­ge­rei. Das Phä­no­men, dass der Mensch ne­ga­ti­ven In­for­ma­tio­nen viel hö­he­re Be­deu­tung bei­misst als po­si­ti­ven, ist in der Psy­cho­lo­gie als „ne­ga­ti­vi­ty bias“ be­schrie­ben wor­den, etwa: ne­ga­ti­ve Vor­ein­ge­nom­men­heit. Doch was zu Zei­ten, als sich im Ge­hirn un­se­rer Vor­fah­ren die bis heu­te wirk­sa­men Struk­tu­ren ent­wi­ckel­ten, ei­nen evo­lu­tio­nä­ren Vor­teil be­deu­te­te – es ist sinn­voll, auf jede kleins­te po­ten­zi­el­le Be­dro­hung zu re­agie­ren, wenn man in der Nah­rungs­ket­te un­ter dem Sä­bel­zahn­ti­ger steht –, trübt heu­te oft un­ser Ur­teils­ver­mö­gen. Ein Bei­spiel da­für ist das Un­be­ha­gen, das so vie­le be­schleicht, wenn sie in ein Flug­zeug stei­gen. Er­schre­cken­de Nach­rich­ten wie jene vom Ger­manwings-Un­glück oder vom Ab­sturz des rus­si­schen Tou­ris­ten­jets in Ägyp­ten be­stär­ken das vage dunk­le Ge­fühl in uns, dass sich Flug­zeug­un­fäl­le häu­fen. Dem wi­der­spricht die Sta­tis­tik: So­eben ha­ben die Ana­lys­ten des Avia­ti­on Safe­ty Net­work (ASN) die Zah­len für das ver­gan­ge­ne Jahr vor­ge­legt. Sie kom­men zum Schluss, dass 2015 für die kom­mer­zi­el­le Flie­ge­rei „das si­chers­te Jahr al­ler Zei­ten“ war. Im Schnitt er­eig­ne­te sich nur rund alle fünf Mil­lio­nen Flü­ge ein Un­fall mit To­des­fol­gen. ASN re­gis­trier­te 2015 sie­ben Crashs – in den Sieb­zi­ger­jah­ren wa­ren es noch 40 pro Jahr bei rund zehn­mal we­ni­ger Pas­sa­gie­ren. Es ist ein Hoch­ge­fühl: Flie­gen wird im­mer si­che­rer.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2016.