Im Tesla-Fieber

Kommentar Die perfekte Illusion vom Erfolg des Elektroautos

von Christian Wüst

Es gab ein­mal ein Volk, das auf ein Traum­au­to ge­spart hat. Doch dann pro­du­zier­te die Volks­wa­gen-Fa­brik Kriegs­ge­rät, und die Auto-Spar­bü­cher en­de­ten als wert­lo­ses Pa­pier. Da­nach kam das Prin­zip Vor­kas­se im Au­to­han­del aus der Mode. Umso er­staun­li­cher ist eine der jün­ge­ren Twit­ter-Bot­schaf­ten des Tes­la-Chefs Elon Musk: 276 000 Men­schen sol­len das nächs­te Elek­tro­au­to der Mar­ke re­ser­viert und da­für je­weils 1000 Dol­lar (in Eu­ro­pa 1000 Euro) an­ge­zahlt ha­ben. Es heißt Mo­del 3 und wird frü­hes­tens Ende 2017 in den Han­del kom­men. Musk hat mit der Nach­richt eine Rei­he von PR-Knal­lern fort­ge­setzt, mit der sich der jun­ge ka­li­for­ni­sche Au­to­her­stel­ler als Wund­er­fir­ma im kol­lek­ti­ven Be­wusst­sein fest­setz­te. Re­spekt ver­dient der stu­dier­te Phy­si­ker we­ni­ger für na­tur­wis­sen­schaft­li­che Er­fol­ge als für sein Ta­lent, trotz fort­wäh­ren­der Ver­lus­te bei In­ves­to­ren Zu­ver­sicht zu we­cken. Die Trümp­fe des Mo­del 3 sol­len ein Kampf­preis von 35 000 Dol­lar (um­ge­rech­net etwa 31 000 Euro) sein und eine Reich­wei­te von knapp 350 Ki­lo­me­tern mit ei­ner Bat­te­rie­la­dung. Die ers­te Zahl gibt be­triebs­wirt­schaft­li­che Rät­sel auf, die zwei­te ist amt­lich er­mit­tel­bar: im glei­chen ge­norm­ten Fahr­zy­klus, der auch die un­rea­lis­ti­schen amt­li­chen Ver­brauchs­wer­te von Ben­zin- und Die­sel­au­tos zu­stan­de kom­men lässt. In der Pra­xis, das zei­gen die Er­fah­run­gen mit Elek­tro­au­tos, ist häu­fig nur die Hälf­te der an­ge­ge­be­nen Reich­wei­te er­ziel­bar, im Win­ter oft noch we­ni­ger. Das Mo­del 3 wird es also mit ei­ner Bat­te­rie­la­dung von Ham­burg nach Han­no­ver schaf­fen. Der Frust der Kä­fer-Spa­rer be­stand einst dar­in, dass sie den Volks­wa­gen am Ende nicht be­ka­men. Dem Tes­la-An­zah­ler droht der Ver­druss, wenn das E-Auto aus­ge­lie­fert wird.

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