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KRIZIA, 90

Schon ihr Künst­ler­na­me ver­riet den Drang nach Hö­he­rem: Die Mo­de­de­si­gne­rin Ma­ri­uc­cia Man­del­li nann­te sich, der Haupt­fi­gur Kri­ti­as aus ei­nem Dia­log Pla­tons nach­emp­fun­den, kurz Kri­zia. Die ge­lern­te Leh­re­rin aus dem lom­bar­di­schen Ber­ga­mo be­gann in den Fünf­zi­ger­jah­ren das Ge­schäft mit der Hau­te Cou­ture. Am Auf­stieg Mai­lands zur Mo­de­me­tro­po­le war ihr La­bel maß­geb­lich be­tei­ligt. Mit fu­tu­ris­ti­schen Rö­cken und Hot­pants, mit wech­seln­den Tier­mo­ti­ven und Ma­te­ria­li­en wie Aal­haut oder Gum­mi sorg­ten die Kol­lek­tio­nen der in Ita­li­en als „la pan­te­ra“ ver­ehr­ten Mo­de­schöp­fe­rin für Auf­se­hen. In den Mai­län­der Sa­lons und un­ter Bran­chen­kol­le­gen wie Ar­ma­ni und La­ger­feld war die Pio­nie­rin ge­schätzt: als fan­ta­sie­vol­le und un­er­schro­cke­ne Bot­schaf­te­rin des „Made in Ita­ly“. Aus ih­rer Fir­ma Kri­zia wur­de ein De­si­gn­im­pe­ri­um, das zu sei­nen bes­ten Zei­ten eine hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar jähr­lich um­setz­te – mit Mode, aber auch mit Flie­sen, Par­fums und Kü­chen­mö­beln. Den Zei­chen der Zeit aber hat­te sich auch die als „Cra­zy Kri­zia“ Be­wun­der­te am Ende zu fü­gen: Die Über­nah­me ih­res Un­ter­neh­mens durch die chi­ne­si­sche Mo­de­ma­gna­tin Zhu Chon­gyun wur­de 2014 be­sie­gelt. Ma­ri­uc­cia Man­del­li starb am 6. De­zem­ber in Mai­land.

PETER MOOSLEITNER, 82

Ein­stein, Di­no­sau­ri­er und der al­ler­neu­es­te ge­hei­me Kampf­bom­ber – das war sein Kos­mos. Schon mit 15 Jah­ren woll­te der im baye­ri­schen Ans­bach ge­bo­re­ne Moos­leit­ner „schwie­ri­ge Din­ge ein­fach dar­stel­len“, und das ist dem Er­fin­der von „P. M.“ bril­lant ge­lun­gen. Der ge­lern­te Jour­na­list mach­te das Heft mit dem be­schei­de­nen Un­ter­ti­tel „Pe­ter Moos­leit­ners in­ter­es­san­tes Ma­ga­zin“ zu ei­nem Sen­sa­ti­ons­er­folg, in das sich seit 1978 Mil­lio­nen wiss­be­gie­ri­ger jun­ger Män­ner ver­tief­ten, so­bald sie „Yps“ ent­wach­sen wa­ren. Lan­ge hielt sich das Ge­rücht, Moos­leit­ner sei eine fik­ti­ve Ge­stalt, was ihn be­lus­tig­te. Doch auch in die­ser Le­gen­de lag ein Fun­ken Wahr­heit, denn tat­säch­lich hieß Pe­ter Moos­leit­ner gar nicht Pe­ter – son­dern Ger­hard. Der Ver­lag Gru­ner + Jahr, dem der Ti­tel ein­ge­fal­len war, hat­te sei­nen Chef­re­dak­teur kur­zer­hand um­ge­tauft, weil eine Zeit­schrift na­mens „G. M.“ Ärger mit dem Kon­zern Ge­ne­ral Mo­tors be­deu­tet hät­te. Ger­hard (Pe­ter) Moos­leit­ner starb am 2. De­zem­ber in Kirch­heim bei Mün­chen.

SCOTT WEILAND, 48

Er war ei­ner der gro­ßen tra­gi­schen Hel­den des Pop. Als Wei­lands Band Sto­ne Temp­le Pi­lots 1992 be­rühmt wur­de, wa­ren die Mu­si­ker den ei­nen Schritt zu spät, um noch wirk­lich ernst ge­nom­men zu wer­den. Sie sa­hen wie Epi­go­nen von Nir­va­na aus, als wür­den sie auf der Grun­ge-Wel­le mit­schwim­men, die die Rock­mu­sik ver­än­der­te. Ih­rem Er­folg tat das kei­nen Ab­bruch – doch er­ho­len konn­te sich der Sän­ger von die­sem Image nie, auch wenn die Sto­ne Temp­le Pi­lots nüch­tern be­trach­tet kei­ne schlech­te Band wa­ren. Wei­land leb­te das Rock­star­le­ben und fei­er­te den Dro­gen­ex­zess. Nach dem vor­läu­fi­gen Ende der Band schloss er sich 2003 Vel­vet Re­vol­ver an, wur­de aber 2008 dort raus­ge­schmis­sen und trat wie­der mit den Pi­lots auf. Ent­zü­ge und Rück­fal­le häuf­ten sich. Scott Wei­land starb am 3. De­zem­ber in Bloo­m­ing­ton, Min­ne­so­ta.

YOSSI SARID, 75

Sprachmäch­tig, mit schar­fem Ver­stand und oft bei­ßen­der Kri­tik hielt er sei­nem Land den Spiegel vor, kämpf­te ge­gen Kor­rup­ti­on, Ras­sis­mus und die Be­sat­zungs­po­li­tik. Er litt am Kurs Is­ra­els und trau­er­te öf­fent­lich bis zu­letzt in sei­nen „Haa­retz“-Ko­lum­nen. Der Po­li­ti­ker der lin­ken Me­retz-Par­tei war ein cha­ris­ma­ti­scher Wort­füh­rer der Bür­ger­rechts- und Frie­dens­be­we­gung, er galt als ei­ner der bes­ten Par­la­men­ta­ri­er Is­ra­els. Ver­ge­bens ver­such­te er als Er­zie­hungs­mi­nis­ter im Ka­bi­nett Ehud Ba­raks im Jahr 2000, die Ge­dich­te des pa­läs­ti­nen­si­schen Poe­ten Mahmoud Dar­wish in das is­rae­li­sche Cur­ri­cu­lum auf­zu­neh­men. Yos­si Sa­rid starb am 4. De­zem­ber in Tel Aviv an ei­nem Herz­in­farkt.

HOLLY WOODLAWN, 69

Die Tra­ves­tie­künst­le­rin war eine der schil­lernds­ten Ge­stal­ten in Andy War­hols New Yor­ker Künst­ler­kom­mu­ne Fac­to­ry. Un­ter dem Na­men Ha­rol­do Dan­hakl in Pu­er­to Rico als Mann ge­bo­ren, wur­de sie in den von War­hol pro­du­zier­ten Fil­men „Trash“ (1970) und „Wo­men in Re­volt“ (1971) als Dragqueen ein Star. Der Sän­ger Lou Reed wid­me­te ihr sein be­rühm­tes Lied „Walk on the Wild Side“. Ende der Sieb­zi­ger­jah­re wur­den ihre Film­rol­len spär­li­cher, zu­letzt hat­te sie Gast­auf­trit­te in der Fern­seh­se­rie „Trans­pa­rent“. Hol­ly Wood­lawn starb am 6. De­zem­ber in Los An­ge­les.

DOUGLAS TOMPKINS, 72

Er woll­te um­keh­ren, ge­gen den Strom schwim­men, das „Wachs­tums­mons­ter be­kämp­fen“. Kaum ei­ner ver­kör­per­te die­se Ide­en ein­drucks­vol­ler als der ame­ri­ka­ni­sche Um­welt­schüt­zer Tomp­kins, der ab­ge­schie­den in ei­nem Holz­haus im Sü­den Chi­les leb­te – um­ge­ben von 290 000 Hekt­ar ei­ge­ner Wild­nis. Die Vor­aus­set­zun­gen des kar­gen Lu­xus ver­dank­te der Sohn ei­nes An­ti­qui­tä­ten­händ­lers frei­lich der von ihm ge­schol­te­nen Kon­su­m­in­dus­trie: Tomp­kins grün­de­te die Out­door­mar­ke The North Face, von der er sich 1970 trenn­te. Spä­ter ver­kauf­te er aus ei­nem VW-Bus her­aus Mäd­chen­kla­mot­ten – die Ur­sprün­ge der Mar­ke Es­prit. 1990 ver­äu­ßer­te er sei­ne An­tei­le an der Mo­de­mar­ke für meh­re­re Hun­dert Mil­lio­nen Dol­lar. Das Geld steck­te er in Um­welt­stif­tun­gen, über die er Land er­warb, das er re­na­tu­rier­te. Dou­glas Tomp­kins starb am 8. De­zem­ber bei ei­nem Ka­jakun­fall in Chi­le.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 51/2015.