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Um­welt

Kli­ma­kanz­le­rin a. D

In Paris trat Angela Merkel als Vorkämpferin gegen die Erderwärmung auf. Doch sie kommt beim CO²-Ausstoß kaum voran – ihr Ansehen sinkt.

Gip­fel­teil­neh­mer Da­vid Ca­me­ron, Mer­kel, François Hol­lan­de: Die Stim­mung be­ginnt sich zu dre­hen

Ihre Stim­me war be­legt, ihre Rhe­to­rik glanz­los. Dach als es dar­um ging, Ver­spre­chen ab­zu­ge­ben, über­trumpf­te An­ge­la Mer­kel wie­der ein­mal alle. Der glo­ba­le Tem­pe­ra­tur­an­stieg müs­se „un­ter zwei Grad“ ge­hal­ten wer­den, ge­lob­te sie und ver­lang­te, dass die Welt bis zum Ende des Jahr­hun­derts auf­hö­ren sol­le, Koh­le, Öl oder Gas zu ver­bren­nen. Dekar­bo­ni­sie­rung nen­nen das die Fach­leu­te, und von „Dekar­bo­ni­sie­rung“ sprach auch Mer­kel.

Da war sie wie­der, die Kli­ma­kanz­le­rin. Rund 150 Staats- und Re­gie­rungs­chefs wa­ren An­fang der Wo­che zum gro­ßen Gip­fel­tref­fen an die Sei­ne ge­kom­men, doch kein an­de­rer Füh­rer ei­nes In­dus­trie­staats nahm das Teu­fels­wort in den Mund. Kei­ner leg­te die Lat­te hö­her als Mer­kel.

Das Pro­blem ist nur, dass es zwi­schen Mer­kels For­de­run­gen an die Welt und ih­ren Ta­ten da­heim ei­nen auf­fäl­li­gen Ge­gen­satz gibt. Das Land, das sich als Vor­rei­ter im Kampf ge­gen die Erd­er­wär­mung sieht, hat in ih­rer Amts­zeit den Aus­stoß an Treib­haus­ga­sen kaum re­du­ziert. Es för­dert wei­ter die Koh­le­indus­trie, schützt die deut­schen Au­to­kon­zer­ne vor all­zu star­ken Kli­ma­auf­la­gen. Mer­kels Bi­lanz ist in Wahr­heit be­schei­den, und das Pa­ra­dox fällt im­mer mehr De­le­gier­ten in Pa­ris auf.

Horand Knaup, Gerald Traufetter

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