Schnüf­fel­strom

Kommentar Der Zwangseinbau neuer Stromzähler ist nicht smart.

von Alexander Neubacher

Weil die Bun­des­re­gie­rung den Strom­ver­brau­cher of­fen­bar für ei­nen Trot­tel hält, der nicht weiß, was gut für ihn ist, setzt sie ihm künf­tig ei­nen Hel­fer ins Haus – den »Smart Me­ter«, zu deutsch: den »in­tel­li­gen­ten Strom­zäh­ler«. De­tails ste­hen in ei­nem Ge­setz­ent­wurf, über den jetzt Bun­des­rat und Bun­des­tag ver­han­deln. Dem­nach müs­sen es vie­le Haus­be­sit­zer und Mie­ter nicht nur hin­neh­men, wenn in den nächs­ten Jah­ren ein neu­er Strom­zäh­ler ein­ge­baut wird. Sie sol­len auch bis zu 100 Euro da­für be­zah­len. Die neu­en Mess­ge­rä­te ver­fü­gen über er­staun­li­che Fä­hig­kei­ten. Sie pro­to­kol­lie­ren, wann und wo das Licht brennt, ob der Ge­schirr­spü­ler läuft oder der Wä­sche­trock­ner, und zeich­nen so ein Be­we­gungs­pro­fil je­des Haus­be­woh­ners. Ex­per­ten der Fach­hoch­schu­le Müns­ter fan­den her­aus, dass der Schnüf­fel­strom­zäh­ler dem En­er­gie­ver­sor­ger so­gar Hin­wei­se lie­fern könn­te, wel­cher Film ge­ra­de im Fern-se­her läuft, was frei­lich il­le­gal wäre. Soll­te ein Kun­de sei­ne Rech­nung nicht be­zah­len, kann ihm der Ver­sor­ger künf­tig per Maus­klick den Strom ab­stel­len. Gleich­zei­tig muss kein En­er­gie­un­ter­neh­men be­fürch­ten, we­gen der neu­en Ge­rä­te we­ni­ger Strom zu ver­kau­fen. Eine neue Stu­die der Ver­brau­cher­zen­tra­len zeigt, dass Smart Me­ter kei­ne gro­ße Hil­fe beim Strom­spa­ren sind. Ähn­lich ur­teil­te eine Ex­per­ten­grup­pe beim Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um: Für die meis­ten Kun­den wä­ren die Kos­ten beim Zwangs­aus­tausch grö­ßer als die Ein­spa­run­gen.

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