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De­bat­te

Der letzte Deutsche

Uns wird die Souveränität geraubt, dagegen zu sein.
Eine Glosse von Botho Strauß

Schrift­stel­ler Strauß in der Ucker­mark

1993 ver­öf­fent­lich­te der Schrift­stel­ler und Dra­ma­ti­ker Bo­tho Strauß, 70, im SPIEGEL sei­nen be­rühm­ten Es­say „An­schwel­len­der Bocks­ge­sang“. Die Eu­pho­rie des Mau­er­falls war ver­flo­gen, im Os­ten brann­ten die Un­ter­künf­te für Asyl­be­wer­ber. Strauß schrieb: „Wir wer­den her­aus­ge­for­dert, uns Heer­scha­ren von Ver­trie­be­nen und hei­mat­los Ge­wor­de­nen ge­gen­über mit­leid­voll und hilfs­be­reit zu ver­hal­ten, wir sind per Ge­setz zur Güte ver­pflich­tet.“ Wir Deut­sche, so Strauß da­mals, wür­den nicht „durch feind­li­che Er­obe­rer her­aus­ge­for­dert“, son­dern kämpf­ten „nach in­nen um das Un­se­re“. Und er schrieb auch: „Zu­wei­len soll­te man prü­fen, was an der ei­ge­nen To­le­ranz echt und selbst­stän­dig ist und was sich da­von dem ver­klemm­ten deut­schen Selbst­hass ver­dankt, der die Frem­den will­kom­men heißt, da­mit hier, in sei­nem ver­hass­ten Va­ter­land, sich die Ver­hält­nis­se end­lich zu je­ner be­rühm­ten ('fa­schis­to­iden') Kennt­lich­keit ent­pup­pen, wie es einst (und heim­lich wohl blei­bend) in der Ver­bre­cher-Dia­lek­tik des lin­ken Ter­rors hieß.“ Kaum ein Text in der Pu­bli­zis­tik des wie­der­ver­ein­ten Deutsch­lands sorg­te für mehr Em­pö­rung und Dis­kus­sio­nen, von sei­nen Geg­nern wur­de Strauß zum Vor­den­ker ei­nes neu­en rech­ten Deutsch­lands er­klärt. Vor zwei Wo­chen noch setz­te sich der SPIEGEL-Re­dak­teur Cor­dt Schnib­ben in ei­nem Text über sei­ne Er­leb­nis­se als Hel­fer in den Ham­bur­ger Mes­se­hal­len, wo mehr als 1000 Flücht­lin­ge un­ter­ge­bracht wa­ren, kri­tisch mit den um­strit­te­nen The­sen des Schrift­stel­lers aus­ein­an­der. Nun be­schäf­tigt sich Strauß, der zu­rück­ge­zo­gen in der Ucker­mark lebt, aus An­lass der Flücht­lings­kri­se ein zwei­tes Mal mit dem The­ma.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 41/2015.