Nach­rufe

RUDOLF SKODA, 83

Für den wich­tigs­ten Bau sei­ner Kar­rie­re muss­te sich der Ar­chi­tekt mit der Dy­na­mik des Schalls aus­ein­an­der­set­zen - als der maß­geb­li­che Bau­meis­ter des Leip­zi­ger Ge­wand­hau­ses. In die­sem Kon­zert­saal galt es, eine op­ti­ma­le Nach­hall­zeit zu er­rei­chen. Zu den trei­ben­den Kräf­ten hin­ter dem Neu­bau­vor­ha­ben ge­hör­te auch Kurt Ma­sur, der be­kann­tes­te DDR-Di­ri­gent. Seit 1975 war Sko­da mit dem Pres­ti­ge­pro­jekt be­schäf­tigt, er wur­de zum Chef­ar­chi­tek­ten er­nannt, pro­fi­tier­te von Pri­vi­le­gi­en, durf­te ins Aus­land rei­sen. 1981, im Jahr der Fer­tig­stel­lung, wur­de er Pro­fes­sor. 30 Jah­re spä­ter be­rich­te­te die »Leip­zi­ger Volks­zei­tung« dar­über, dass Sko­da einst un­ter dem Deck­na­men Ri­chard an die Staats­si­cher­heit be­rich­tet ha­ben soll. Er selbst wur­de da­mals, 2011, mit den Wor­ten zi­tiert, er habe sich »ei­gent­lich nie als IM ge­fühlt«. Nach der Wen­de er­öff­ne­te er ein Ar­chi­tek­tur­bü­ro und ge­stal­te­te un­ter an­de­rem den Um­bau der Leip­zi­ger Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter. Ru­dolf Sko­da starb am 2. April in Leip­zig.

WALTER HAUBRICH, 79

»Spa­ni­ens schwie­ri­ger Weg in die Frei­heit": Das war der Ti­tel ei­ner fünf­bän­di­gen Samm­lung sei­ner Ar­ti­kel - und das war 33 Jah­re lang das Haupt­the­ma des Kor­re­spon­den­ten der »Frank­fur­ter All­ge­mei­nen«. Von der spa­ni­schen Haupt­stadt aus be­glei­te­te und kom­men­tier­te der im Wes­ter­wald ge­bo­re­ne Hau­brich seit 1969 den Über­gang von der Fran­co-Dik­ta­tur zur De­mo­kra­tie. Der Jour­na­list ver­füg­te stets über enge Ver­bin­dun­gen zu Geg­nern des Re­gimes - in schwe­ren Zei­ten hat­te er ih­nen Schutz und Un­ter­stüt­zung ver­schafft, in­dem er über sie schrieb. Op­po­si­tio­nel­le wie den jun­gen So­zia­lis­ten Fe­li­pe Gon­zá­lez mach­te er in­ter­na­tio­nal be­kannt. Nach dem Staats­ex­amen in Mainz hat­te Hau­brich in Spa­ni­en als Do­zent für Deut­sche Spra­che und Li­te­ra­tur an den Uni­ver­si­tä­ten in San­tia­go de Com­pos­te­la und Val­la­do­lid ge­ar­bei­tet. Am meis­ten in­ter­es­sier­te ihn das Schick­sal der klei­nen Leu­te, in Fik­ti­on und Rea­li­tät. Über ihre Pro­ble­me forsch­te er, für sie setz­te sich der en­ga­gier­te Jour­na­list in Tau­sen­den Zei­tungs­ar­ti­keln ein. Mit vie­len Per­sön­lich­kei­ten, die das letz­te Vier­tel des vo­ri­gen Jahr­hun­derts in Spa­ni­en, Por­tu­gal und in den auf­stre­ben­den De­mo­kra­ti­en La­tein­ame­ri­kas präg­ten, war er be­kannt, oft be­freun­det. Wal­ter Hau­brich starb am 6. April in Ma­drid.

GARY DAHL, 78

Im Som­mer 1975 war der frei­be­ruf­li­che Wer­be­tex­ter so gut wie plei­te, als er in ei­ner Knei­pe ein Ge­spräch über läs­ti­ges Gas­si­ge­hen und Kat­zen­klo­put­zen hör­te. La­ko­nisch warf Dahl ein, mit ei­nem Stein als Haus­tier habe man sol­che Pro­ble­me nicht. Der Scherz wur­de in­ner­halb we­ni­ger Mo­na­te zum Ge­schäfts­mo­dell: Mehr als eine Mil­li­on so­ge­nann­te Pet Rocks hat Dahl ver­kauft, Kie­sel­stei­ne, die er auf Holz­wol­le ge­bet­tet in ei­nen Papp­kar­ton mit Luft­lö­chern zum At­men leg­te - wie ei­nen Hams­ter oder eine Maus. Stück­preis der Kie­sel: ein Cent, Ver­kaufs­preis der Pet Rocks: 3,95 Dol­lar. Die pfle­ge­leich­ten Haus­tie­re, von »Time« zu ei­nem der zehn ver­rück­tes­ten Spiel­zeug­trends al­ler Zei­ten ge­wählt, mach­ten Dahl zum Mil­lio­när. Er kauf­te eine Vil­la und schrieb ei­ni­ge Jah­re spä­ter ein Buch über er­folg­rei­che Wer­bung. Die Pet Rocks in­des blie­ben sein ein­zi­ger Ver­kaufs­schla­ger: Eine mo­bi­le Auf­zucht­sta­ti­on für Sand etwa ließ sich kaum je­mand an­dre­hen. Gary Dahl starb am 23. März in Jack­son­vil­le, Ore­gon.

JEAN-LOUIS CRéMIEUX-BRILHAC, 98

Die Nach­richt vom Tod des frü­he­ren fran­zö­si­schen Wi­der­stands­kämp­fers ver­kün­de­te der Prä­si­dent per­sön­lich. Ein »gro­ßer Mann« sei ge­stor­ben, sag­te François Hol­lan­de und wür­dig­te ihn als »Hel­den der Schlacht um Frank­reich«, der 1944 als ei­ner der Ers­ten öf­fent­lich auf die Gas­kam­mern der Na­zis hin­ge­wie­sen habe. Schon 1935 war Cré­mieux-Bril­hac, Spross ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie, ei­ner Grup­pe an­ti­fa­schis­ti­scher In­tel­lek­tu­el­ler bei­ge­tre­ten. Nach­dem er 1939 in die Ar­mee ein­ge­zo­gen wor­den war, ge­riet er 1940 in deut­sche Kriegs­ge­fan­gen­schaft. Er floh und ge­lang­te auf Um­we­gen nach Lon­don, wo er sich der Wi­der­stands­grup­pe Fran­ce li­bre von Charles de Gaul­le an­schloss. Nach Kriegs­en­de grün­de­te er die Do­cu­men­ta­ti­on françai­se, die er spä­ter auch lei­te­te. Im Ru­he­stand ver­öf­fent­lich­te er be­deu­ten­de his­to­ri­sche Wer­ke über die Rol­le der Fran­zo­sen im Zwei­ten Welt­krieg. 2014 er­hielt er das Groß­kreuz der Eh­ren­le­gi­on, die höchs­te Aus­zeich­nung Frank­reichs. Jean-Lou­is Cré­mieux-Bril­hac starb am 8. April.

BOB BURNS, 64

Der Schlag­zeu­ger grün­de­te als Teen­ager zu­sam­men mit dem Sän­ger Ron­nie VanZant, den Gi­tar­ris­ten Al­lan Col­lins und Gary Ros­sing­ton so­wie dem Bas­sis­ten Lar­ry Jun­strom eine Rock­band, die spä­ter als Ly­nyrd Sky­nyrd welt­be­kannt wur­de. Die ers­ten Pro­ben ab­sol­vier­ten die lang­haa­ri­gen Jungs im Car­port von Burn­s' El­tern. Pate für den Na­men der Grup­pe stand der un­ge­lieb­te Sport­leh­rer Leo­nard Skin­ner, der den Band­mit­glie­dern auf der High­school we­gen ih­rer Fri­sur Pro­ble­me be­rei­tet hat­te. Nach zehn Jah­ren, in de­nen die Band zwei Al­ben und auch gleich ihre bei­den größ­ten Hits auf­nahm ("Sweet Home Ala­ba­ma« und »Free Bird"), wur­de Burns das Tour­le­ben zu an­stren­gend, und er stieg aus; die Grup­pe spiel­te in wech­seln­den Be­set­zun­gen noch vie­le Jah­re lang wei­ter. Bob Burns starb bei ei­nem Au­to­un­fall am 3. April in Car­ters­vil­le, Geor­gia.

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