Haus­mit­tei­lung

Le­ang­ky (l.), Zand (2. v. r.) in Phnom Penh

Erst kommt das T-Shirt, dann die Mo­ral. Die­ser Shop­ping­grund­satz west­li­cher Kon­su­men­ten schien nach dem Ein­sturz der Tex­til­fa­brik Rana Pla­za in Ban­gla­desch vor zwei Jah­ren, bei dem über tau­send Men­schen zu Tode ka­men, er­schüt­tert. Nun end­lich, auf der Ba­sis des schlech­ten Ge­wis­sens, soll­te Ernst ge­macht wer­den mit Fair Tra­de und Nach­hal­tig­keit. Doch SPIEGEL-Kor­re­spon­dent Bern­hard Zand muss­te in der kam­bo­dscha­ni­schen Haupt­stadt Phnom Penh fest­stel­len, dass sich die Ar­beits­be­din­gun­gen bei den Zu­lie­fe­rern von H&M, Kik und Kon­sor­ten kaum ver­bes­sert ha­ben. Er lern­te die Nä­he­rin Keal Le­ang­ky ken­nen, die un­längst, im zwei­ten Mo­nat schwan­ger, ent­las­sen wur­de, weil sie wäh­rend der Ar­beits­zeit eine Man­go ver­speist hat­te. Mehr als 200 Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen so­li­da­ri­sier­ten sich mit ihr, alle wur­den vor die Tür ge­setzt. »Mit ethi­schen Kauf­ent­schei­dun­gen könn­ten Ver­brau­cher die Welt ver­än­dern«, sagt Mar­kus Brauck, der ge­mein­sam mit Zand so­wie Si­mo­ne Sal­den und Diet­mar Ha­wra­n­ek die Ti­tel­ge­schich­te re­cher­chier­te, »aber sie zei­gen bis­her kein all­zu gro­ßes In­ter­es­se dar­an.« zum Ar­ti­kel

Cram­blett, Fel­den­kir­chen, Zin­kon

Jen­ni­fer Cram­blett und Aman­da Zin­kon, ein les­bi­sches Paar mit Kin­der­wunsch aus Ohio, hat­ten bei ei­ner Sa­men­bank aus Chi­ca­go Sper­ma ei­nes gro­ßen, blon­den, wei­ßen Man­nes be­stellt. Ge­lie­fert wur­de ih­nen je­doch der Sa­men ei­nes Schwar­zen, ein Ver­se­hen. Zwei Jah­re nach der Ge­burt ih­rer dun­kel­häu­ti­gen Toch­ter Pay­ton ver­klag­te das Paar die Sa­men­bank, un­ter an­de­rem we­gen des an­geb­li­chen Straf­tat­be­stands der »un­recht­mä­ßi­gen Ge­burt«. Nun stand das Ver­se­hen vor SPIEGEL-Re­por­ter Mar­kus Fel­den­kir­chen und frag­te: »Hast du Eis­creme?« Na­tür­lich sei das Mäd­chen hin­rei­ßend, so fin­den auch sei­ne Müt­ter, »aber das heißt ja nicht, dass die­se Leu­te kei­nen furcht­ba­ren Feh­ler ge­macht ha­ben«, sag­te Cram­blett. Ihre Kla­ge auf Scha­dens­er­satz fällt in eine Zeit, da in den USA nach den zahl­rei­chen Tö­tun­gen schwar­zer Män­ner durch wei­ße Po­li­zis­ten tat­säch­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den muss, dass das Le­ben von Schwar­zen gleich viel wert ist wie das­je­ni­ge von Wei­ßen. zum Ar­ti­kel

Er wol­le nichts mehr über sich in der Zei­tung le­sen, sag­te Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg, ehe­mals Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, als ihn SPIEGEL-Au­tor Marc Hu­jer um Aus­kunft zu sei­nem neu­en Le­ben in Ame­ri­ka bat. Kei­ne In­ter­views, kei­ne Fo­tos, es wer­de so­wie­so al­les falsch in­ter­pre­tiert. Hu­jer mach­te sich den­noch auf Spu­ren­su­che, sprach mit Freun­den, be­ob­ach­te­te den Ex­po­li­ti­ker bei öf­fent­li­chen Auf­trit­ten, reis­te ins Si­li­con Val­ley, wo Gut­ten­bergs neue Ge­schäfts­part­ner sit­zen. So er­öff­ne­ten sich Ein­bli­cke in ein Le­ben auf der Flucht vor der Ver­gan­gen­heit. Wie groß die Angst die­ses Man­nes vor den Schat­ten der Pla­gi­ats­af­fä­re von 2011 ist, er­leb­te Hu­jer, als er ihm im Ber­li­ner Ho­tel Ad­lon be­geg­ne­te. Gut­ten­berg war ver­är­gert, weil er die Zim­mer­kar­te ver­legt hat­te und sich vor der Re­zep­ti­on an­stel­len muss­te, um Er­satz zu er­hal­ten. Hu­jer gab ihm den Rat, beim nächs­ten Check-in zwei Kar­ten zu ver­lan­gen. »Geht bei mir nicht«, er­klär­te Gut­ten­berg, »sonst den­ken alle, ich hole mir 'ne Per­le aufs Zim­mer.« zum Ar­ti­kel