Für Geld und einen Käfer

Bon­bons, Bü­cher, Ben­zin - die deut­schen Fuß­ball-Na­tio­nal­spie­ler war­ben rund um die Welt­meis­ter­schaft 1974 »für so gut wie al­les«, schreibt der His­to­ri­ker Kay Schil­ler von der Uni­ver­si­tät in Durham, Eng­land. Sein Buch »WM 1974 - Als der Fuß­ball mo­dern wur­de« ist nicht nur ein gut re­cher­chier­tes Stück Sport­ge­schich­te, es ist auch das Por­trät ei­ner Zei­ten­wen­de, ei­ner Ära, in der Fuß­ball zum Pro­dukt, zur lu­kra­ti­ven Ware, zum glo­ba­len Me­di­en­er­eig­nis wur­de. Mit der WM in Deutsch­land lief die Geld­ma­schi­ne Fuß­ball an und ver­setz­te Spie­ler, Aus­rüs­ter und Ver­an­stal­ter erst­mals in ei­nen »Gold­rausch«, wie Schil­ler schreibt. Über Fern­seh-, Rund­funk- und Film­rech­te, Wer­bung und Sou­ve­nir­ver­käu­fe ge­ne­rier­te die Fifa schon da­mals knapp die Hälf­te ih­rer Ein­nah­men. Im Ver­gleich zur WM 1970 wur­de der Ge­winn mit 50 Mil­lio­nen Mark ver­dop­pelt. Mit der Dis­tanz und Akri­bie ei­nes Wis­sen­schaft­lers er­klärt Schil­ler den »Auf­stieg vom bil­li­gen Pro­le­ten­sport zum auch von In­tel­lek­tu­el­len be­schwärm­ten Kunst­pro­dukt«. Er por­trä­tiert Gün­ter Net­zer und Paul Breit­ner als »mün­di­ge und rei­che Pro­fis«, die den in­ter­na­tio­na­len Jet­set such­ten und de­nen es nicht mehr reich­te, »al­lein für die Ehre zu spie­len«. Ge­nau wie Franz Be­cken­bau­er, der mit der WM über Wer­bung 1,5 Mil­lio­nen Mark ver­dien­te. Mit dem DFB han­del­te die Mann­schaft eine Prä­mie aus: rund 70 000 Mark und ei­nen VW-Kä­fer. Die Fans konn­ten sich nicht so schnell an die Tur­bo­kom­mer­zia­li­sie­rung des Fuß­balls ge­wöh­nen, nur gut 70 Pro­zent der Ti­ckets wur­den ver­kauft. »Die Deut­schen hiel­ten sich im Som­mer 1974 mit dem Ju­beln zu­rück«, schreibt His­to­ri­ker Schil­ler. Das Ge­feil­sche um die WM-Prä­mie sei bei ih­nen schlecht an­ge­kom­men.

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