Per­so­na­lien

Bérénice Marlohe

Béré­nice Mar­lo­he, 32, fran­zö­si­sche Schau­spie­le­rin, rech­net mit der hei­mi­schen Film­bran­che ab. »Sie wer­den nie­mals Kar­rie­re ma­chen« - so et­was habe sie sich oft an­hö­ren müs­sen, sag­te das neue Bond-Girl dem Ma­ga­zin »Pa­ris Match«. Die Ein­la­dung zum Cas­ting für den 007-Film »Sky­fall« hät­ten ame­ri­ka­ni­sche Freun­de or­ga­ni­siert. Fünf Tage da­nach habe sie den Job be­kom­men.

Zitat

»Ich weiß, dass der Tod ein Thema ist, mit dem ich mich in meinem Alter beschäftigen sollte. Aber ich ver tiefe das nicht. Es gibt noch viel zu tun.«

Iggy Pop, 65, Mu­si­ker und Pio­nier der Punk­be­we­gung

Fried­rich

Hans-Peter Friedrich

Hans-Pe­ter Fried­rich, 55, Bun­des­in­nen­mi­nis­ter (CSU), pack­te eine Wel­le der Weh­mut, als er ver­gan­ge­ne Wo­che durch das nächt­li­che Wa­shing­ton jogg­te. Als jun­ger Stu­dent hat­te er 1983 für ei­ni­ge Mo­na­te in der ame­ri­ka­ni­schen Haupt­stadt ge­lebt, um an ei­nem ju­ris­ti­schen Gut­ach­ten über künst­li­che Be­fruch­tung zu ar­bei­ten. Ei­nes Mor­gens jogg­te Fried­rich in ei­nem oliv­grü­nen Bun­des­wehr­hemd am Ufer des Po­to­mac und ge­riet in eine Grup­pe von ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten. Fried­rich, der im Bun­des­wehr-Out­fit kaum auf­fiel, schloss sich den GIs an, folg­te ih­nen in die Ka­ser­ne und er­kun­de­te un­auf­fäl­lig das Ge­län­de, ehe er sein Trai­ning fort­setz­te. Da­mals sei eine »phan­tas­ti­sche Zeit« ge­we­sen, sag­te der Mi­nis­ter, al­ler­dings habe es auf den Stra­ßen in der Nähe sei­nes Apart­ments im Stadt­teil Ana­cos­tia häu­fi­ger Schie­ße­rei­en ge­ge­ben. Der Mi­nis­ter ist bis heu­te ein lei­den­schaft­li­cher Läu­fer. Der­zeit ver­sucht er, jene zu­sätz­li­chen Ki­los wie­der ab­zu­trai­nie­ren, die er seit sei­nem Wech­sel ins Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um im März 2011 zu­ge­legt hat.

Er­do­gan (4. v. l.) um 1977

Recep Tayyip Erdogan

Re­cep Tay­yip Er­do­gan, 58, tür­ki­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent, stand als jun­ger Mann auf der Thea­ter­büh­ne. Ge­mein­sam mit po­li­ti­schen Weg­ge­fähr­ten führ­te er von 1975 bis 1980 das an­ti­se­mi­ti­sche Stück »Mas-Kom-Yah« ("Frei­mau­rer-Kom­mu­nis­ten-Ju­den") in der Tür­kei auf. Er soll das Dra­ma selbst ver­fasst ha­ben und über­nahm an­geb­lich auch die Re­gie, so die Re­cher­chen tür­ki­scher Jour­na­lis­ten. Of­fen­sicht­lich be­trach­tet Er­do­gan die Schau­spie­le­rei noch heu­te haupt­säch­lich un­ter pro­pa­gan­dis­ti­schen As­pek­ten. Seit Wo­chen lau­fen Tau­sen­de Thea­ter­an­ge­stell­te Sturm ge­gen staat­li­che Ein­mi­schung in die Spiel­plä­ne. Der Pro­test ver­är­ger­te Er­do­gan so sehr, dass er an­kün­dig­te, sämt­li­che Büh­nen zu pri­va­ti­sie­ren. Of­fi­zi­ell be­grün­det Er­do­gan die­sen Plan mit sei­ner Spar­po­li­tik, aber Kri­ti­ker glau­ben eher, dass die Thea­ter Er­do­gan stö­ren, weil sie li­be­ra­le und sä­ku­la­re Bas­tio­nen der tür­ki­schen Ge­sell­schaft sind. Er droh­te, den Thea­tern den Geld­hahn kom­plett zu­zu­dre­hen. Ohne Geld »könnt ihr spie­len, wie ihr wollt«, so der Mi­nis­ter­prä­si­dent.

Ernst

Klaus Ernst

Klaus Ernst, 57, um­strit­te­ner Par­tei­vor­sit­zen­der der Lin­ken, ver­liert Ein­fluss an al­len Fron­ten. So­gar das ehe­ma­li­ge SED-Blatt »Neu­es Deutsch­land« ("ND") ver­schmäht sei­ne Avan­cen. Der Lin­ken-Chef hat­te dem »ND« ei­nen Bei­trag an­ge­bo­ten. The­ma soll­te die Kon­kur­renz zwi­schen Lin­ken und Pi­ra­ten sein. Doch in dem ab­ge­lie­fer­ten Text ging es haupt­säch­lich um Ernsts Kri­tik an der in­ner­par­tei­li­chen Per­so­nal­de­bat­te, die auch ihn be­trifft; »ND«-Chef­re­dak­teur Jür­gen Re­ents ver­wei­ger­te den Ab­druck. Ernst woll­te nicht ein­mal ei­ner Be­ar­bei­tung des Tex­tes zu­stim­men und klag­te über »Zen­sur«. Re­ents kon­ter­te kühl: »Wir dru­cken kei­nen Ar­ti­kel über Bel­gi­en, wenn ei­ner über Dä­ne­mark ver­ein­bart war.«

Apel

Wolfgang Apel

Wolf­gang Apel, 60, Eh­ren­prä­si­dent des Deut­schen Tier­schutz­bun­des, muss sich ge­gen Zwei­fel an sei­ner Tier­lie­be ver­tei­di­gen. Als er vor gut ei­ner Wo­che in Bre­men auf ei­ner Kund­ge­bung ge­gen Tier­ver­su­che auf­trat, war­fen ihm ve­gan le­ben­de Tier­recht­ler vor: »Wolf­gang Apel le­gi­ti­miert Ge­walt an Tie­ren.« Die ra­di­ka­len Ve­ge­ta­ri­er es­sen kei­ne Eier und tra­gen kei­ne Le­der­schu­he, sie är­gern sich über eine Ne­ben­be­schäf­ti­gung Apels: Er ist Vor­stands­mit­glied des Ver­eins Neu­land, der ein Qua­li­täts­sie­gel für Fleisch­pro­duk­te aus tier­ge­rech­ter Hal­tung ver­gibt. Da­mit ste­he er für die Aus­beu­tung und Tö­tung von Tie­ren, so die Fun­di-Kri­ti­ker. Apel kon­tert: »Ich bin nicht der Vor­sit­zen­de der Ve­ga­ner.« Kein Fleisch zu es­sen sei ja »eine gute Ein­stel­lung«. Aber er habe nicht die Il­lu­si­on, dass sich die Men­schen in ab­seh­ba­rer Zeit zum Fleisch­ver­zicht be­we­gen lie­ßen. Des­halb wol­le er we­nigs­tens die Hal­tungs­be­din­gun­gen für Tie­re ver­bes­sern. Den Tod kön­ne er ih­nen nun mal nicht er­spa­ren - auch wenn er selbst »fast gar kein« Fleisch esse.

Strö­be­le

Hans-Christian Ströbele

Hans-Chris­ti­an Strö­be­le, 72, Grü­nen-Po­li­ti­ker, setzt sich aus per­sön­li­cher Be­trof­fen­heit für den Ver­brau­cher­schutz ein. Nach­dem er auf der Ver­pa­ckung sei­ner Lieb­lings­milch im Klein­ge­druck­ten ent­deckt hat­te, dass der wei­ße Trunk in Köln ab­ge­füllt wird, wand­te sich Strö­be­le an die Her­stel­ler­fir­ma. Der Pro­dukt­na­me »Mark Bran­den­burg« las­se ver­mu­ten, dass die Milch vor den To­ren Ber­lins ih­ren Ur­sprung habe. Und sei­ne Wahl sei ge­nau des­we­gen auf jene Mar­ke ge­fal­len, so Strö­be­le in sei­nem Brief, »weil ich die Kuh­hal­tung im Um­land un­ter­stüt­zen und öko­lo­gisch kor­rekt re­gio­nal kau­fen will«. Wenn die Milch aus an­de­ren Ge­bie­ten stam­me, kön­ne man »eine Ir­re­füh­rung der Ver­brau­cher ver­mu­ten«. Tat­säch­lich muss­te das Mol­ke­rei­un­ter­neh­men »Fries­land Cam­pi­na« mit Sitz in Heil­bronn zu­ge­ben, dass be­sag­te Milch nicht von Bran­den­bur­ger Kü­hen stammt, son­dern von de­ren Art­ge­nos­sen in Hes­sen, Nord­rhein-West­fa­len und Rhein­land-Pfalz. Der Grü­ne schrieb dar­auf­hin an die Ver­brau­cher­zen­tra­le und for­der­te den Vor­stand auf: »Bit­te ver­an­las­sen Sie, dass die­se Täu­schung künf­tig ver­bind­lich un­ter­bleibt.« Strö­be­le sucht der­weil nach ei­nem kor­rek­ten An­ge­bot aus der Re­gi­on Ber­lin. Die von sei­ner Par­tei­freun­din Re­na­te Kü­n­ast emp­foh­le­ne Voll­milch­sor­te sei ihm zu fett.

Kraft

Hannelore Kraft

Han­ne­lo­re Kraft, 50, SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin von Nord­rhein-West­fa­len, hat in ih­rer knapp zwei­jäh­ri­gen Re­gie­rungs­zeit die Lan­des­ver­wal­tung weib­li­cher ge­macht. Als die So­zi­al­de­mo­kra­tin ih­ren Vor­gän­ger Jür­gen Rütt­gers (CDU) ab­lös­te, ar­bei­te­ten 45 Frau­en als Mi­nis­te­rin­nen, Staats­se­kre­tä­rin­nen, Ab­tei­lungs- und Grup­pen­lei­te­rin­nen - nun sind es 57, so vie­le wie nie zu­vor. Rund 26 Pro­zent der Ver­wal­tungs-Spit­zen­po­si­tio­nen sind von Frau­en be­setzt, in der Staats­kanz­lei sind es so­gar 39 Pro­zent. Frau­en stel­len drei von fünf Re­gie­rungs­prä­si­den­ten, auch 8 von 18 Po­li­zei­prä­si­den­ten sind weib­lich. Drei die­ser Frau­en hat Kraft ins Amt ge­holt, dar­un­ter Elke Bar­tels, seit an­dert­halb Jah­ren Po­li­zei­prä­si­den­tin in Duis­burg. Bar­tels will ih­rer­seits gern mehr Frau­en be­för­dern, noch sei sie »ziem­lich al­lei­ne un­ter Män­nern«. Sie hof­fe auf den Nach­ma­chef­fekt: »Wer als Vor­bild agiert, wird auch ko­piert.«

Win­tour

Anna Wintour

Anna Win­tour, 62, Chef­re­dak­teu­rin der ame­ri­ka­ni­schen »Vogue«, stellt ihre Ex­per­ti­se Ba­rack Oba­mas Wahl­kampf­team zur Ver­fü­gung. Da­bei be­rät die wohl ein­fluss­reichs­te Frau der Mo­de­bran­che den Prä­si­den­ten nicht etwa in Stil­fra­gen. Win­tour wählt jene Pro­duk­te aus, die auf Oba­mas Mer­chan­di­sing-Web­site un­ter der Ru­brik »run­way to win« an­ge­bo­ten wer­den. Für den »Lauf­steg zum Sieg« hat Win­tour nam­haf­te De­si­gner ge­won­nen, die im Diens­te Oba­mas T-Shirts und Ac­ces­soires mit sei­nem Wahl­kampf­lo­go ent­wor­fen ha­ben. Eine Ein­kaufs­ta­sche von Vera Wang ist für 85 Dol­lar zu ha­ben. Soll­te das Bud­get des ge­neig­ten Wäh­lers da­für nicht aus­rei­chen, könn­te er in der Ru­brik »Kit­chen« zwei Oba­ma-Wein­glä­ser für 25 Dol­lar oder un­ter »Pets« ein Oba­ma-Hun­de-T-Shirt für 30 Dol­lar er­wer­ben, um den De­mo­kra­ten zu un­ter­stüt­zen.

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