Der verletzte Stolz

DEBATTE Über die Ausschaltung der Bürger in Demokratien Von Peter Sloterdijk

Pe­ter Slo­ter­di­jk: 63, ist Phi­lo­soph und Rek­tor der Staat­li­chen Hoch­schu­le für Ge­stal­tung in Karls­ru­he. Seit 2002 mo­de­riert er das »Phi­lo­so­phi­sche Quar­tett« im ZDF, zu­sam­men mit Rü­di­ger Sa­fran­ski. Zu Slo­ter­di­jks be­kann­tes­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen ge­hö­ren: »Kri­tik der zy­ni­schen Ver­nunft« (1983), »Re­geln für den Men­schen­park« (1999) und »Du mußt dein Le­ben än­dern« (2009). In die­sem SPIEGEL-Es­say be­schäf­tigt er sich mit dem bür­ger­li­chen Auf­be­geh­ren ge­gen Groß­pro­jek­te wie Stutt­gart 21 und der wach­sen­den Ent­frem­dung zwi­schen Po­li­tik und Volk.

Wann im­mer Po­li­ti­ker und Po­li­to­lo­gen sich über den Zu­stand ei­ner mo­der­nen res pu­bli­ca Ge­dan­ken ma­chen, drän­gen Re­mi­nis­zen­zen an das alte Rom sich auf. Das wi­der­fuhr auch jüngst dem glück­lo­sen deut­schen Au­ßen­mi­nis­ter, als er, um den in sei­nen Au­gen all­zu üp­pi­gen So­zi­al­staat un­se­res Lan­des zu kri­ti­sie­ren, auf den Ge­dan­ken ver­fiel, die heu­ti­gen Ver­hält­nis­se mit den Nie­de­run­gen der rö­mi­schen De­ka­denz zu ver­glei­chen. Wel­che Vor­stel­lun­gen er hier­mit ver­band, konn­te nie ge­nau er­mit­telt wer­den. Viel­leicht wa­ren dem Gast an der Spit­ze des Aus­wär­ti­gen Amts vage Er­in­ne­run­gen an das Sys­tem des kai­ser­zeit­li­chen Plebs-Ma­nage­ments durch Gla­dia­to­ren­spie­le in den Sinn ge­kom­men, mög­li­cher­wei­se dach­te er auch an die ob­li­ga­to­ri­schen Ge­trei­de­s­pen­den für die ar­beits­lo­sen Mas­sen der an­ti­ken Me­tro­po­le. Bei­des wä­ren Nach­klän­ge des has­ti­gen Ge­schichts­un­ter­richts, den die meis­ten deut­schen Gym­na­si­as­ten des Jahr­gangs 1961 (Wes­ter­wel­le u. a.) ge­nos­sen. Sie ent­hal­ten nichts, was zu Be­sorg­nis An­lass gäbe.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen. MIT SPIEGEL+ LESEN – GRATIS TESTEN

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 45/2010.