>

SPIEGEL-GESPRÄCH

„Die Angst habe ich ausgestrahlt“

Friedrich Schirmer, ehemaliger Intendant des Deutschen Schauspielhauses, über seinen Rücktritt, den Selbstmord seiner Ehefrau und Hamburger Depressionen

Ex-In­ten­dant Schir­mer: „Ko­mi­scher­wei­se hat­te ich in Ham­burg von An­fang an das Ge­fühl, dass et­was Schreck­li­ches pas­sie­ren wür­de“

Für das Tref­fen hat Schir­mer ein Ho­tel in der Nähe des Ham­bur­ger Haupt­bahn­hofs aus­ge­wählt. Hier, so sagt es Schir­mer, kön­ne er we­nigs­tens si­cher sein, nie­man­den zu tref­fen. Nur ein paar Me­ter ent­fernt steht das Deut­sche Schau­spiel­haus, des­sen In­ten­dant Schir­mer bis vor fünf Wo­chen war. Über der neo­ba­ro­cken Fas­sa­de des Thea­ters hängt ein rie­si­ges Bett­la­ken, auf dem steht „Kampf­an­sa­ge“. Ein neu­er Se­nat un­ter dem Ers­ten Bür­ger­meis­ter Chris­toph Ahl­haus muss jähr­lich 510 Mil­lio­nen Euro spa­ren, und so hat Kul­tur­se­na­tor Rein­hard Stuth kur­zer­hand an­ge­kün­digt, ein Mu­se­um zu schlie­ßen, Bi­blio­the­ken und Thea­ter zu be­schnei­den. Kurz zu­vor, am 14. Sep­tem­ber, war Schir­mer als In­ten­dant des Deut­schen Schau­spiel­hau­ses zu­rück­ge­tre­ten, nach­dem ihm Zu­schüs­se von 330 000 Euro ge­kürzt wor­den wa­ren. Sein Ent­schluss sorg­te für gro­ße Auf­re­gung in der na­tio­na­len Thea­ter­sze­ne, auch weil nun Deutsch­lands größ­te Sprech­büh­ne ohne Füh­rung da­steht, wäh­rend der neu­ge­bil­de­te Se­nat dem Schau­spiel­haus wei­te­re Sub­ven­tio­nen in Höhe von 1,2 Mil­lio­nen Euro ge­stri­chen hat. Die Zu­kunft des Thea­ters ist un­ge­wiss. Fried­rich Schir­mer ist 59 Jah­re alt, be­vor er 2005 nach Ham­burg kam, hat­te er zwölf Jah­re lang das Stutt­gar­ter Schau­spiel ge­lei­tet, wo er als fä­hi­ger Thea­ter­mann galt. In Ham­burg aber wur­de sei­ne Ar­beit von Be­ginn an stark kri­ti­siert.

Sie lesen die Vorschau

Sie haben diese Ausgabe bereits gekauft oder ein digitales Abo? Dann melden Sie sich mit Ihrer SPIEGEL-ID an, um den vollständigen Artikel zu lesen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 42/2010.