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FUSS­BALL

Ronaldos Schusskunst

Be­vor er ei­nen di­rek­ten Frei­stoß schießt, tritt der por­tu­gie­si­sche Fuß­ball­pro­fi Cris­tia­no Ro­nal­do drei, vier Schrit­te hin­ter den Ball zu­rück, baut sich breit­bei­nig wie ein Wes­tern­held auf und fi­xiert mit ent­schlos­se­nem Blick das Tor. Die geg­ne­ri­sche Mau­er in 9,15 Me­ter Ent­fer­nung ist in der Re­gel kein Hin­der­nis für den Stür­mer von Real Ma­drid: Für ihn ist es ein Du­ell Schüt­ze ge­gen Tor­hü­ter. Wie raf­fi­niert er sei­ne Kunst­schüs­se tritt, ha­ben nun zwei spa­ni­sche Bio­me­cha­ni­ker der Uni­ver­si­tä­ten von Cas­til­la-La Man­cha und von El­che an­hand des phan­tas­ti­schen Tors ana­ly­siert, das Ro­nal­do vo­ri­gen De­zem­ber beim Cham­pi­ons-Le­ague-Spiel in Mar­seil­le aus 35 Me­ter Dis­tanz er­ziel­te. Un­halt­bar war der Schuss nicht we­gen sei­ner Wucht; die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit, in wel­cher der Ball 1,44 Se­kun­den durch die Luft flog, war mit 87 Ki­lo­me­tern pro Stun­de re­la­tiv ge­ring. Doch phä­no­me­nal war die Flug­bahn des Balls. Der Ab­flug­win­kel be­trug 25 Grad, in 2,53 Me­ter Höhe pas­sier­te er die Mau­er, mit stei­gen­der Ten­denz. Hät­te die Ku­gel sich im er­wart­ba­ren Nei­gungs­win­kel ge­senkt, wäre sie nach Er­kennt­nis­sen der Wis­sen­schaft­ler über das 2,44 Me­ter hohe Tor ge­flo­gen. Doch plötz­lich ver­ließ der Ball sei­ne vor­her­seh­ba­re Kur­ve, fiel steil nach un­ten ab und über­quer­te in 1,88 Me­ter Höhe die Tor­li­nie. Das Ge­heim­nis liegt in Ro­nal­dos Schuss­tech­nik: Er ver­passt dem Ball ei­nen Ef­fet, so dass er in Flug­rich­tung ro­tiert, ähn­lich dem Top­spin beim Ten­nis. Je stär­ker der Drall, des­to ab­rup­ter fällt ir­gend­wann der Ball her­ab - ein Alp­traum für je­den Tor­wart.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 2/2010.