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FUNK­TI­ONÄRE

Nazi-Verdacht gegen Daume

Kein an­de­rer Sport­funk­tio­när spiel­te im Nach­kriegs­deutsch­land eine solch wich­ti­ge Rol­le wie Wil­li Dau­me, ge­bo­ren 1913, ge­stor­ben 1996, Trä­ger des Gro­ßen Bun­des­ver­dienst­kreu­zes mit Stern und Schul­ter­band. Po­pu­lär wur­de er vor al­lem als Va­ter der Olym­pi­schen Som­mer­spie­le von Mün­chen 1972. Über sein Le­ben zur Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus je­doch war bis­lang nur we­nig mehr be­kannt, als dass er NS­DAP-Mit­glied ge­we­sen war. Eine nun ver­öf­fent­lich­te Dis­ser­ta­ti­on über Dau­mes Kar­rie­re för­dert bri­san­te De­tails zu­ta­ge: Laut dem han­no­ver­schen His­to­ri­ker Jan C. Rode hat­te Dau­me dem Si­cher­heits­dienst (SD) der SS als In­for­mant ge­dient. Vor we­ni­gen Wo­chen hat­te der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung noch be­haup­tet, Dau­me sei „nie Mit­glied der NS­DAP ge­we­sen“. Die Ak­ten von Dau­mes Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren, die im Haupt­staats­ar­chiv Düs­sel­dorf la­gern, so­wie Do­ku­men­te des Aus­wär­ti­gen Amts in Ber­lin wi­der­le­gen dies: Dem­nach wur­de Dau­me mit An­trag vom 20. De­zem­ber 1937 als Par­tei­mit­glied Nr. 6098980 ge­führt. Im fol­gen­den Jahr über­nahm er, erst 25, nach dem Tod sei­nes Va­ters die Lei­tung des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens, ei­ner Ei­sen­gie­ße­rei in Dort­mund, in der auch 65 Zwangs­ar­bei­ter ein­ge­setzt wur­den. Von 1943 an soll Dau­me dem SD als Spit­zel ge­dient ha­ben. Dau­me selbst hat­te die Tä­tig­keit An­fang der neun­zi­ger Jah­re zu­ge­ge­ben, in bis­lang un­ver­öf­fent­lich­ten In­ter­views ge­gen­über Mit­ar­bei­tern der Uni Han­no­ver. Al­ler­dings spiel­te er die Be­deu­tung her­un­ter: Er habe die­se Be­rich­te le­dig­lich an­ge­fer­tigt, um ei­nem an­ge­droh­ten Front­ein­satz in Sta­lin­grad zu ent­ge­hen. Und die Be­rich­te sei­en so „blöd­sin­nig“ und in­halts­leer ge­we­sen, dass der SD das In­ter­es­se an sei­ner Mit­ar­beit ver­lo­ren habe. Nach Kriegs­en­de stieg Dau­me ra­sant zum Mul­ti­funk­tio­när auf. Zeit­wei­se war er Prä­si­dent der bei­den zen­tra­len Sport­ver­bän­de der Bun­des­re­pu­blik, des Deut­schen Sport­bunds und des Na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees. 35 Jah­re lang saß Dau­me im In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tee, von 1972 bis 1976 als Vi­ze­prä­si­dent. 1992 zog er sich von sei­nem letz­ten Amt zu­rück.

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