Kultur

Um­strit­te­nes Ko­kosch­ka-Ge­mäl­de »Pa­ri­ser Platz in Ber­lin / Bran­den­bur­ger Tor«, 1926
Kulturpolitik

Berliner Blamage

»Kunst durch Kre­dit« heißt ein Buch, das in der kom­men­den Wo­che er­schei­nen und die staat­li­chen Mu­se­en Ber­lins in Er­klä­rungs­not brin­gen wird. Die Wis­sen­schaft­le­rin Lynn Ro­ther schil­dert auf 500 Sei­ten den größ­ten und bis­her im Grun­de igno­rier­ten Kunst­ver­kauf der Na­zi­zeit: 1935 er­warb das Land Preu­ßen etwa 4000 Kunst­wer­ke von der Dresd­ner Bank, wert­vol­le Ge­mäl­de, Skulp­tu­ren, kost­ba­re Por­zel­lan­fi­gu­ren. Sie stamm­ten aus dem Be­sitz di­ver­ser Schuld­ner, vie­le wa­ren jü­di­scher Her­kunft. Min­des­tens 1600 Wer­ke be­fin­den sich noch heu­te in den Mu­se­en Ber­lins. Doch eben nicht die In­sti­tu­tio­nen selbst, auch nicht die über­ge­ord­ne­te Stif­tung Preu­ßi­scher Kul­tur­be­sitz (SPK) ha­ben den Kunst­trans­fer auf­ge­ar­bei­tet, son­dern die Ein­zel­kämp­fe­rin Ro­ther, die frü­her Mit­ar­bei­te­rin der SPK war und heu­te Pro­ve­ni­en­z­ex­per­tin am Mu­se­um of Mo­dern Art in New York ist. Ihr Buch be­ruht auf ih­rer Dis­ser­ta­ti­on. Es ist ein wert­vol­ler Bei­trag zur Kunst- und Ban­ken­ge­schich­te – und es ver­deut­licht die Rea­li­tät der sons­ti­gen Pro­ve­ni­en­z­for­schung. In der On­line­da­ten­bank der SPK tau­chen un­ter dem Stich­wort »Dresd­ner Bank« ge­ra­de ein­mal drei Bil­der auf. Und selbst da gibt es fal­sche An­ga­ben. Ein wei­te­res Werk aus dem Dresd­ner-Bank-Pa­ket, ge­schaf­fen von Os­kar Ko­kosch­ka und aus dem Be­stand ei­ner jü­di­schen Kunst­händ­le­rin, hing spä­ter, bis 2014, so­gar im Büro des Prä­si­den­ten der SPK. Das Buch von Ro­ther zeigt, wie sys­te­ma­ti­sche For­schung aus­sieht, und auch die Ber­li­ner wer­den es wahr­neh­men müs­sen. Ro­ther lädt kom­men­den Don­ners­tag zu ei­ner öf­fent­li­chen Po­di­ums­dis­kus­si­on ins Haus der Com­merz­bank ein.

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