Der vierjährige Mohammed fragt ständig, wann es wieder zurückgeht nach Afghanistan. Warum es so lange nichts zu essen gab, warum sie ihr Haus verlassen haben.

Manchmal erzählt Vater Jawad dann vor dem Schlafengehen von der Reise ...

„Meine Kinder sagen mir immer, ich solle früher nach Hause kommen. Oft sprechen wir tagelang nur über Whatsapp miteinander.“ – Talal Sourouji

Trotzdem denkt sich Talal ständig Gutenachtgeschichten aus – während der Arbeit. Und die erzählt er dann Elaf und Rayan, wenn er dann endlich zu Hause ist.

„Die Kinder verstehen nicht, was mit ihren Eltern passiert ist, seitdem sie Syrien verlassen haben. Warum sagen sie den Kindern, dass sie ruhig sein sollen? Warum haben sie nie Zeit füreinander?“ – Isra Mohammed

Für Isra sind Gutenachtgeschichten nicht nur ein wichtiges intimes Ritual zwischen Eltern und Kindern, sondern auch ein Schutz vor Albträumen. In ihrer Lieblingsgeschichte treffen der Prophet Suleyman und ein Ameisenstaat aufeinander.

Robeen ist der Clown der syrischen Seite des Zeltlagers, er grölt oft lauthals, bis die Nachbarn sich beschweren, und versucht ständig, die Kinder im Camp aufzuheitern.

Wenn abends der Regen auf die dünnen Zeltwände prasselt, erzählt Robeen den Nachbarskindern dann Gutenachtgeschichten. Mal ist es „Leyla und der Wolf“, mal „Cinderella“, meistens jedoch versucht er den Kindern mit Geschichten die Situation zu erklären, in der sie nun alle sind.

Impressum

Autor/Idee Annabella Stieren

Foto/Video Brindusa Nastasa

Illustration Yara Said

Konzept/Umsetzung Bernhard Riedmann

Animation Alexander Epp

Schlussredaktion Katrin Zabel

Leitung Olaf Heuser, Jens Radü

Die Recherche wurde unterstützt durch das Stipendium „Reporters in the Field“ der Robert Bosch Stiftung.

/