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Frü­her war al­les schlech­ter

Impfungen

Ein Vor­schlag: Die Leu­te ha­ben's ja nicht mehr so mit der Kir­che, mö­gen aber die al­ten Fes­te sehr gern: Tau­fe, Hoch­zeit, die­se Sa­chen. Wie wäre es, wenn wir statt der Kinds­tau­fe künf­tig die ers­te Mehr­fach­imp­fung zum An­lass für gro­ße Fa­mi­li­en­fei­ern ma­chen? Juhu, Anna-Luna wird ge­impft! Ein klei­ner Piks für das Kind, ein gro­ßer Schritt für die Mensch­heit. Denn die Imp­fung ist wahr­lich eine Fei­er des Le­bens, um nicht zu sa­gen: eine Be­din­gung des Über­le­bens. Kon­zen­triert in ei­ner Sprit­ze wie­der­ho­len sich mit je­der Imp­fung spek­ta­ku­lä­re Sie­ge der Zi­vi­li­sa­ti­on über Krank­hei­ten, die einst Hun­dert­tau­sen­de da­hin­ge­rafft ha­ben. Auf­grund von Da­ten für die USA las­sen sich die lang­fris­ti­gen Er­folgs­quo­ten von Imp­fun­gen dar­stel­len: Um wie viel Pro­zent wur­den die Fall­zah­len re­du­ziert, wenn man die Zeit vor Ein­füh­rung ei­ner Imp­fung mit je­ner da­nach ver­gleicht? Die Wer­te sind ein­deu­tig und las­sen sich auf deut­sche Ver­hält­nis­se über­tra­gen, wie das Ro­bert Koch-In­sti­tut be­stä­tigt. Diph­the­rie: um 100 Pro­zent re­du­ziert. Kin­der­läh­mung: 100 Pro­zent. Keuch­hus­ten: 96,6 Pro­zent. Ma­sern: 99,9 Pro­zent. Doch der enor­me Er­folg birgt auch eine Ge­fahr: Po­ten­zi­ell töd­li­che Krank­hei­ten wie die Ma­sern ha­ben ih­ren Schre­cken ver­lo­ren. Nur so ist es zu er­klä­ren, dass es in ei­nem Land wie Deutsch­land über­haupt noch zu Ma­sern­aus­brü­chen kom­men kann. Impf­geg­ner sind Tritt­brett­fah­rer: Sie kön­nen sich ih­ren Ho­kus­po­kus nur leis­ten, weil jene über­wie­gen­de Mehr­heit, die sie ver­ach­ten, ge­impft ist. Wür­den die Impf­geg­ner alle ge­mein­sam un­ge­impft und samt den von ih­nen so ge­schätz­ten Vi­ren in ei­nem ei­ge­nen Staat zu­sam­men­le­ben, wä­ren vie­le von ih­nen längst tot.

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Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 50/2016.