Am ersten Oktoberwochenende 2016 nehmen 42 Teams am weltgrößten Wettbewerb der Menschentürme in einer ehemaligen Stierkampfarena im spanischen Tarragona teil. Etwa 8.000 Castellers, wie sich die Turmbauer nennen, sind heute allein in Katalonien aktiv. Vor den Wettbewerben wird in den meist dörflichen Gemeinden hart trainiert.

Mit der gelernten Technik allein wird kein Turm gebaut. Während die Castells entstehen, drängen sich die eng verschränkt stehenden Männer unten in der „pinya“ genannten Basis. Die Musik hilft ihnen, eine Orientierung zu behalten.

Während der Franco-Diktatur waren die Castells als Symbol der Männlichkeit und Stärke im Gegensatz zu anderen katalanischen Kulturformen erlaubt. Vor mehr als 200 Jahren entstanden, genossen die Menschentürme allerdings nicht immer so hohes Ansehen.

Manche Turmbauer, wie Magí Güell, sind auch mit 88 Jahren noch dabei. Manche bereits im Alter von fünf Jahren.

Erst seit den 1980er Jahren sind Frauen gleichberechtigter Teil der Menschentürme und manchmal auch Teamchefs. Sie haben den Männern gegenüber bestimmte Vorteile.

Seit 2010 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Menschheit, sind die Castells doch zuallererst katalonisch und werden auch im Streben der Region nach politischer Unabhängigkeit instrumentalisiert.

Mittlerweile werden Menschentürme auch im Ausland errichtet. Neben Mexiko, Chile, Argentinien und Großbritannien lebt die Castells-Kultur in China auf.

Bei wenigen anderen Sportarten müssen die Sportler so unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen wie die Castellers. Solidarität und Gemeinschaftsgeist sind die Kerngedanken – und auch deshalb wird der Folklore-Sport wohl immer beliebter.

Das Team

Idee und Fotos Joan Figueras

Fotos Anna Moradell

Videos Tomás Antonio D'Antonio und Luciana de la Cal

Konzept und Schnitt Marco Kasang

Schnitt Grit Breitmann

Produktion Solveig Binroth

Redaktion Olaf Heuser

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