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Zeit­ge­schich­te

Der Prozess

Vor 70 Jahren endete in Nürnberg das Verfahren gegen führende Nationalsozialisten. Zum ersten Mal wurde versucht, Krieg nicht als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln zu rechtfertigen, sondern ihn als das zu sehen, was er immer war: ein Verbrechen.
Von Thomas Darnstädt

Nach der Ur­teils­ver­kün­dung sor­tie­ren Se­kre­tä­rin­nen in Nürn­berg am 2. Ok­to­ber 1946 die Blät­ter der Pres­se­mit­tei­lung des Ur­teils

Wann es für Her­mann Gö­ring und sei­ne Mit­ver­ur­teil­ten ernst wer­den wür­de, blieb bis zum Schluss ein Staats­ge­heim­nis. Am 1. Ok­to­ber 1946 ging nach nur zehn Mo­na­ten und zwölf Ta­gen Ver­fah­ren im Nürn­ber­ger Jus­tiz­pa­last der Haupt­kriegs­ver­bre­cher­pro­zess zu Ende. Nach der Ur­teils­ver­kün­dung wank­te der frü­he­re Reichs­mar­schall aus dem Fahr­stuhl, der ihn ins Sou­ter­rain des Ge­richts­ge­bäu­des ge­bracht hat­te. Mit lan­gen Schrit­ten und vor Ent­set­zen her­vor­quel­len­den Au­gen ging er auf sei­ne Zel­le zu. Ein Psy­cho­lo­ge er­war­te­te ihn. „Tod“, sag­te Gö­ring und ließ sich auf sei­ne Prit­sche fal­len. Er griff zu ei­nem Buch, schlug es auf, ver­such­te zu le­sen, ver­ge­bens. Schließ­lich bat er den Psy­cho­lo­gen, ihn eine Zeit lang al­lein zu las­sen.

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